Audi A6 innen

Winterauto 2016 / 2017: unerwartete Bilanz

Die traditionellen Winterautos verlassen bei uns gerade ihren Stall. Diesmal hat der Winter eigentlich nicht viel herzugeben gehabt, oder? Und wir hatten uns eigentlich mal richtig was gegönnt, keine zickigen Kleinwagen oder moderne Billigautos mit geringen Unterhaltskosten, nur keinen Geiz.

Da war einmal ein Opel Vectra B mit einigermaßen stattlichen 136PS und ein Audi A6 2.4 Quattro – zwei Limousinen, eine ungewöhnliche Wahl.

Ein billiger Opel Vectra B

Grundlegend ist der Vectra B ein weit besseres Auto, als die meisten Leute am Stammtisch behaupten würden. Unserer war diesmal eine weisse Limousine. Weiss braun, wenn man es genau nimmt, denn der Vectra war bereits sichtbar vom Rost angefressen. Dafür konnten wir den für (ja, ernsthaft) 373€ ergattern. Nicht bei eBay, sondern nach langem zähen Ringen mit der Vorbesitzerin…

Innen noch sehr anständig. Ausserdem ist das Getriebe im ausgezeichneten Zustand. Beides soll sich später noch auszahlen – im wahrsten Sinne des Wortes

Der Vectra hatte besser Zeiten gesehen – aber was solls’s? 373€ für einen Wagen mit 116TKM auf der Uhr – da kann man doch nichts sagen.

Rost: Ja, der war nicht zu übersehen und hatte nicht nur die Türen erfasst, sondern auch Teile des Unterbodens. Aber das war nicht geheim. Und der Rest des Wagens sollte jeden Aufwand rechtfertigen. Zu Beginn des Winters kümmern wir uns um den Unterboden. Wir erledigen das Ganze in einer Mietwerkstatt und haben ein wenig Hilfe, die sich aber bezahlt macht.

Die Türen selbst sind kein so großer Aufwand, bekommen wir selbst hin. Das teuerste daran ist der Lack für 17€, andere Materialien sind vorhanden, die rechnen wir fair mit 10€ ein.

Leider stellen wir bei der Gelegenheit fest, dass der Auspuff geflickt werden muss und diverse Schläuche ein Problem haben – aber was weit wichtiger ist: Die hintere Achse stützt sich links an Dingen ab, die zum Abstützen nicht mehr so recht geeignet sind. Das sieht nicht nur nicht gut aus – da muss man auch sagen: So etwas ist uns wirklich schon lange nicht mehr passiert, denn im Grunde ist hier der Spaß dahin und eigentlich gibt es hier nur noch eins: Rippen.

Man ahnt gar nicht, wo Autos noch überall rosten können

Und das tun wir auch. Die Reparatur lohnt sich hier wirklich nicht mehr, denn für diese Aktion muss man zunächst den halben Wagen auseinandernehmen, dessen Rostinfektion wirklich weit fortgeschrittener ist, als wir eingeschätzt hatten. Also: Alles raus, was raus geht und auf zu ebay. Und hier muss man wirklich mal wieder sagen: Wir leben ja in fantastischen Zeiten. Wenn Du einen solchen Wagen fachgerecht zerlegst, vor allem mit einem Motor, der recht wenig gelaufen ist und eine passablen Getriebe, dann fragst Du dich manchmal, warum du nicht eigentlich gleich dein Geld ausschließlich damit verdienst. Es dauert knappe 3 Wochen, bis alles vom Hof ist, aber am Ende sitzen wir auf…. Na – was meinst Du – wieviel kann man da bekommen?

Hm – lass mal schauen.

Ein billiger Audi A6

Wir kaufen uns erst mal einen neuen Winterwagen – diesmal tatsächlich einen wirklich luxuriösen Audi A6, 16 Jahre alt, für 1680€ – 2,4 Liter Sechszylinder, Leder, Allradantrieb – eigentlich ein tolles Auto. Generell gilt: Nie war ein Wagen der gehobenen Mittelklasse so nahe an seinem Oberklassependant: Der A6 ist in vielerlei Hinsicht vom A8 nur Nuancen entfernt. 1680€ sind ein Schnäppchen. Der Wagen steht in einer Tiefgarage, komplett entladen und verstaubt, braucht eine neue Batterie und sieht weder aussen noch innen nach etwas aus. Für 2400 inseriert ist er eine Lachnummer – schon die Bilder sind so dunkel, dass nur verhandlungswillige Typen wie wir hin fahren – aber die Substanz des Wagens ist ausnehmend gut.

Wie kommt es zu so etwas? Die Tiefgarage gehört zu einer Wohnanlage, in der viele ältere Leute wohnen. Der Besitzer ist pflegebedürftig geworden und niemand hat an seinen Wagen gedacht. Kratzer an der Stoßstange zeugen von Rentner Remplern – dennoch: Die Substanz des Wagens erscheint ausgezeichnet.

Audi A6 innen

Man kann gar nicht glauben, wie dekorativ so ein Auto für so wenig Geld sein kann – und doch gewinnt am Ende der Opel Vectra

Der zweite A6 galt nie als Ausbund der Tugend – vor allem die Diesel nicht. Ebenso gelten die 2.4er als Säufer – zurecht: Da gehen schon mal 14 Liter durch, was auch damals eigentlich schon eher unzeitgemäß war – und nach oben sind dem keine grenzen gesetzt – unter 11 Luiter ist der Wagen in der Konfiguration nicht zu fahren – und dann ist man schon im Bereich von „Verkehrshindernis“ angekommen, sorry to say. Wir mögen den Wagen dennoch – schmerzlich ist hier eher die Versicherung, die bei dem Quattro der Generation ziemlich zulangt – das ist hässlich.

Macht der Wagen dennoch Spaß? Oh ja… Der 6Zylinder ist eine fette Schleuder erste Güte: Säuselig, wie man sich das wünscht. Ein Traum – der Wagen ist wirklich noch luxuriös. Die Traktion können wir leider nur viel zu selten wirklich geniessen, weil der Winter so milde ist – aber hey: Sie ist da und sobald irgendwo Schnee fällt, stürzen wir uns drauf wie die Kleinkinder 😉

Am Ende bewegen wir den Wagen in kürzester Zeit 18.000 Kilometer – frei von jeglichen Macken. Das einzige Investment, das in diesen Wagen fließt, ist ein Bremslicht und ein wenig Schlauch-Material, weil ein Teil des hohen Verbrauchs von porösen Spritleitungen kommt – wie so oft bei Volkswagen / Audi.

Am Ende wird der Wagen durch die Waschanlage gefahren, die Alus poliert, der Lack manuell von uns gewachst – der Wagen steht richtig gut da, selbst das Leder sieht am Ende wieder sehr cool aus.

Was bringt so ein Wagen? Etwas über 1680, für die wir ihn gekauft haben…? Ja – wir verkaufen den Wagen gezielt in den schneereichen Westerwald an einen jungen Kerl, der gerade genau das gleiche Modell geschrottet hat und uns gerne 3250 für den Wagen da lässt. Und das ist ein angemessener Preis.

Audi A6 Avant

Die Kombis sind im Schnitt weit teurer als die Limousinen – die Diesel ebenso – dabei sind just die letzteren qualitativ nicht erstrebenswert. Wer billig fahren will, fährt hier trotz hoher Verbräuche oft günstiger mit dem Benziner, bei der Versicherung angefangen, die beim Diesel noch schlimmer ist

Alles in allem haben wir mit allem polieren und Kratzer an der Stoßstange entfernen und ein paar Schläuchen hier und da rund 400€ in den Wagen investiert – 130 allein für die Batterie. Jetzt könnte man eine präzise Rechnung aufmachen, wie wir ja schon ein paar mal gemacht haben – in der Gesamtbilanz unserer Winterautos ist das jedoch diesmal vollkommen irrelevant – wir sind in jedem Falle komplett umsonst gefahren – denn: kommen wir zurück zum Ausgangspunkt.

Das wirklich detailierte Zerlegen eines Vectra B kann nicht nur ein Riesenspaß sein, sondern auch unglaublich ökonomisch. 373€ Einstiegskosten. 2012€ Einnahmen bei eBay. 🙂 Da muss man sagen: Für einen kompletten Vectra geben die Leute das nicht aus… Wir haben schon welche für signifikant weniger gekauft…

Der Winter ist gerettet, wir denken ernstlich darüber nach, einen Online-Schrottplatz zu eröffnen – bei den Gewinnspannen….




3 Kommentare

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.