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wer mehr zahlt, ist selber schuld

Up!, Volkswagen

Weniger Auto fürs Geld – ist der VW UP! ein gutes Billigauto?

Der VW UP! gehört zu den billigsten Neuwagen, wenn es um die Gesamt-Unterhaltskosten geht. Das ist ja zunächst mal ein guter Startpunkt – aber ist der VW UP! auch ein gutes Billigauto?

Die Deutschen Hersteller haben sich mit Kleinwagen schon immer schwer getan – seit dem ersten VW Polo in den 70er Jahren. Und mit den Kleinstwagen war es noch schlimmer. Der Ford KA war stets einer der schlechtesten Kleinstwagen, war lediglich ein abgeschnittener Ford Fiesta – mit allen Nachteilen, die sich daraus ergeben. Und weil die Idee so blöd war, kopierte Opel sie vorsichtshalber mit dem Opel Adam…

VW UP!

In Teilen ganz gediegen und stets seriös

Richtig schlecht aber war VW in diesem Segment. Da war der VW Fox – ein Desaster der besonderen Art. Und als ob das nicht schon schlimm genug gewesen wäre, verschlimmbesserte VW sein Experiment mit dem Lupo, für dessen angebliche 3Liter Version sie so hohe Preise aufriefen, dass sich der Wagen in der Realität erst nach über 400.000 Kilometern rechnete…

Ein Schweres Erbe für den VW UP!, den Volkswagen auch unter der Seat Flagge und der Skoda Flagge verkauft – nahezu baugleich. So läuft der Zwerg nun schon seit Ende 2011 vom Band – zunächst ausschließlich mit 60 und 75PS starken Benzin Motoren..Klingt wenig – ist es auch. Selbst der kleinste der Kleinstwagen von VW bringt 940 Kilo auf die Waage – die meisten in der Realität eher über eine Tonne – da sind 60 Pferdestärken nicht gerade das Rüstzeug für den Nürburgring… Muss ja auch nicht, solange der Wagen im Unterhalt günstig ist, oder? Und genau da waren die Vorgänger allesamt schlecht – und auch der mehrfach heilig gesprochene VW Polo ist schon seit Jahrzehnten stets das teuerste Auto der Klasse, ohne dafür mehr zu bieten als Fiesta oder Corsa.

VW UP!

Die Rückbank ist etwas spartanisch – nicht gerade der präferierte Platz im VW UP! – Vorne sitzt es sich deutlich besser

Der UP! jedoch spielt hier tatsächlich in einer anderen Klasse – und das ist wirklich neu für Volkswagen. Einerseits ist der Wagen konsequent klein konstruiert und nicht einfach nur vorne und hinten abgesägt. Die ganze Plattform taugt für einen Kleinwagen. Die Räder sind allesamt (gefühlt) an den äußersten Ecken des Wagens angebracht und geben Bewegungsfreiheit, Die Viertürigen Versionen kann man auch mit zwei unliebsamen Tanten besteigen, ohne, dass es einem peinlich ist. Der Kofferraum ist klein – aber variabel und schließlich hat die Physik Grenzen und ein Wagen der außen klein ist, kann ja innen kein Einfamilienhaus sein.

Wasserkisten sind nicht die Stärke des UP! – da wird er schnell zum Zweisitzer oder zumindest mal Dreisitzer.

Ansonsten fährt sich der UP! allerdings erfreulich erwachsen. Die Sitze sehen spartanisch aus – hinten sind sie das im Grunde auch. Vorne jedoch sind sie erwachsen, lassen sich auch auf mittleren oder langen Strecken aushalten und sind routiniert verarbeitete, wie überhaupt der gesamte Wagen gebraucht für weniger als 3.000 Euro genau das ausstrahlt: Eine routinierte Qualität. Im besten Wortsinne.

VW UP! Kofferraum

Na gut – was soll man da schon erwarten? Wer über kleine Kofferräume bei Kleinwagen meckert, den stört auch der Qualm beim Rauchen

Der Wagen fühlt sich nicht billig an, er wirkt vielmehr solide und einigermaßen seriös. Wir reden hier nicht von Luxus, soviel muss einmal klar sein. Das ist alles ein wenig roh – aber das ist ja auch okay, wenn man einen 5 bis 6 Jahre alten Wagen dieser Art für 2.000€ schie0en kann. Dafür ist alles an Bord, was man beispielsweise für die studentische Tochter sucht: Airbags, ESP, all der Kram.

Das Angebot unter 4.000€ gliedert sich im Wesentlichen in zwei Kategorien auf: Die kleinen verbeulten und zerkratzten mit Laufleistungen bis 100.000 – und die einigermaßen gepflegten mit top Wartungszustand und astronomischen Laufleistungen.

Die erste Gruppe kann man mögen – die zweite stellte sich bei unseren Versuchen als die interessantere dar. Wie kommt es zu diesen Fahrzeugen, wo doch normalerweise Kleinstwagen keine astronomischen Laufleistungen haben? Die stammen im Regelfall aus Fuhrparks, sind oft auch halbherzig als „Für den Export“ gekennzeichnet. Da hat eine Firma einen großen VW Fuhrpark und der Firmenkundenbetreuer muss sich anhören, dass es eigentlich ein oder zwei Autos mehr sein sollten – für alle Fälle.



Oder, dass die ganzen VWs zusammen mittlerweile zu teuer sind. Und da zaubert der kluge Mann dann den VW UP! aus dem Hut. Und der lebt dann im Fuhrpark, wird artig alle paar Monate gewartet und hat am Ende seiner Laufzeit plötzlich 220.000 auf der Uhr, weil viele Mitarbeiter den irre praktisch finden, vor allem in der Stadt. Wir haben Wagen gefahren, die als Kurier-Wagen zwischen einzelnen Standorten eingesetzt wurden – das sind Autos, die praktisch immer mit warmem Öl fahren. Und nicht nur das. Erstaunlich ist, dass die gar nicht so verwohnt sind, wie man erwarten würde. Der etwas weniger luxuriöse Stoff ist einfach robust, ein weisser Lack bekommt nicht so viele Macken. Beides zusammen sieht langweilig aus, hält aber lange.

Und erstmals ist der VW UP! ein angemessen sparsamer VW. die meisten billigen haben 60PS, wie generell die meisten Fahrzeuge der frühen Jahrgänge – die 75PS MOdelle sind deutlich besser und verbrauchen das gleiche und unterscheiden sich auch sonst nicht wirklich in den Unterhaltskosten. Lucky if you get one.

Das Drehmoment ist übrigens bei beiden gleich… Die Dreizylinder sind kernig brummig und wirken durch ihren Klang kräftiger als sie in der Realität sind, was sich aber gut anfühlt. Hinzu kommt: Die Straßenlage ist durch den proportional gigantischen Radstand sehr berechenbar. Dadurch lässt sich der Wagen permanent an einem seriösen Limit bewegen, was den Wagen schneller erscheinen lässt. Man kommt auf solide Durchschnittsgeschwindigkeiten und vermisst nicht viel, solange man nicht unbedingt auf der Autobahn ist. Da sind die 60PS mit ihren 95 Newtonmetern dann wirklich nix – aber irgendwas ist ja immer.

Auch von unten machen die meisten Up!s eine gute Figur – alles in allem wirkt der UP! deutlich solider als das meiste, was VW in den letzten Jahren vom Band laufen ließ. Am Ende haben wir uns tatsächlich einen einpacken lasse – für die kalten Tage. 238.000 auf der Uhr, Baujahr 2013, 4 Türen, frische Winterreifen, frischer Tüv.

Also: Schauen wir mal, was diesen Winter passiert.



  1. Hobbyschrauber

    hätte ja im Leben nicht damit gerechnet, dass ihr mal einen VW in eure Empfehlung aufnimmt. Die 75PS Variante ist kürzer übersetzt und holt sich daher den besseren Durchzug und die zusätzliche Leistung entfaltet sich erst oberhalb 5.000U/Min. Lohnt nicht wirklich, vorallem wenn häufiger außerhalb der Stadt unterwegs ist. Ich kaufe mir trotzdem lieber größere Gebrauchte. Der Focus der 2. Generation hat gerade ein gesundes Preisniveau erreicht und die 1. Generation ist maximal simpel und zuverlässig und wird einem zurzeit hinterhergeworfen. Bin zumindest der Meinung, dass mein 500€ 1.6 Automatik deutlich mehr Komfort etc. bietet, als ein 3.000€ UP! . Grundsätzlich aber ein gelungenes Auto, wobei mir da der Skoda oder der Seat mit der richtigen Heckklappe, deutlich besser gefallen, wobei die ja häufig schlechter gepflegt sind

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