VW Passat B6 – ist der soweit? Ist das ein gutes Billigauto?

Gebrauchtwagen-Profis sagen jetzt spontan „Der Passat? Billig? No way!“

Und… sie haben irgendwie recht. Neben dem Golf und dem Polo ist der Passat bei langer Haltedauer eines der wertstabilsten Autos – zumindest in Deutschland, wo Volkswagen ja so ziemlich alles machen darf, ist das so. In UK beispielsweise ist das nicht so – auch in Belgien und den Niederlanden kann der Passat im Verhältnis zu wichtigen Wettbewerbern wie Opel Vectra / Insignia oder Ford Mondeo bei weitem nicht so punkten wie in Germanien.

Zurecht?

Ohne Frage: Konzeptionell ist der Passat B6 (oder auch Typ3c im Volkswagen Ersatzteil-Computer) ein wirklich gutes Auto seiner Klasse. Und wenn Du dich vor 12 Jahren, als der Passat als Neuwagen erschien mit dem Kauf eines Neuwagens auseinandergesetzt hast und zu allem Überfluss vielleicht die ams konsultiert hast – dann war der Passat seiner Klasse sicherlich um 7 von 600 Punkten voraus oder so…

Immer noch stattlich: Passat B6 von 2006

Wenn Du heute einen Mittelklassenwagen für 3.000 bis 4.000€ erwerben willst, relativieren sich solche Themen.

Tatsächlich: Du bekommst den Passat für das Geld. Er hat dann typischer Weise 270.000 auf der Uhr, ist immerhin sogar ein Kombi und hat vermutlich den 140PS-Diesel an Bord und sicherlich keine übertriebene Ausstattung. Jetzt mag manch einer sagen „Naja… für ein konzeptionell gutes Auto….“ Schon klar – geh heim, les die ams… Der Passat ist schlicht zu teuer. Ein Ford Mondeo, der schon in seinen Vorgängerversionen stets zu den guten bis sehr guten Billigautos gehörte, kostet mit denselben Eckdaten keine 4000 sondern 1500€ – und hat vermutlich sogar mehr Tüv…

Die schlichter ausgestatteten Modelle mögen nicht so hübsch sein, aber wo keine Multifunktion und Freisprecheinrichtung verbaut ist, geht auch nix kaputt

Und da reden wir vom zweitbesten Mondeo, der je gebaut wurde – und selbst der beste ist schon zu bekommen für Passat Geld… Ähnliches gilt für den Späten Vectra – den mag manch einer nicht hübsch finden – aber der Wagen ist signifikant günstiger, ausgereift, qualitativ nicht der übelste – und hat sogar noch mehr Laderaum als der Passat… Klar: Weder Vectra noch Mondeo bekommst Du mit Schmankerln wie Allradantrieb – aber hey: Den bekommst Du für das Geld beim Passat auch nicht – ausser, du nimmst den qualitativ schludrigen Vorgänger und dazu kann man wirklich nicht raten.

Jenseits dessen, was der Tüv zum Passat sagt oder die Garantieversicherer (Die den Passat gar nicht mal so sehr mögen, weil seine Ersatzteile überproportional teuer sind) zeigten sich bei unseren Testfahrten die Passats von 3.000 bis 4.000 Euro alle von weitem im passablen Zustand.

Kaum qualitativer Fortschritt

Warum jedoch VW auch nach über 40 Jahren Frontantrieb nicht in der Lage ist, belastbare Antriebswellen zu bauen, entzieht sich unserer Kenntnis… Der Diesel hat reichlich Drehmoment – und offensichtlich wird das genutzt: Leicht zu erkennen an klackernden Geräuschen beim Anfahren und in Kurven. Die Klimaanlagen sind in der Liga oft defekt, die Sitze (vor allem die von Trendline und Comfortline) stark beansprucht und durchgesessen und durchgescheuert. Im Ernst: Hier können Mondeo und Vectra mehr – zumal die für das Geld oft nur die Hälfte der Kilometer hinter sich haben.

Verbreitet: Aussatttungsniveau Comfortline und der umstrittene 140PS Diesel. Die Sitze sind schweisstreibend und verschleißfreudig

Fensterheber sind zwar besser als beim Vorgänger, machen aber auch (teuren) Ärger. Ebenso anfällig: Schläuche jedweder Art und Kupplungsseile – auch hier sagt jetzt manch einer „Hä? das war doch schon in den 80ern so, das müssen die doch irgendwann mal…“ Ja – für die Leasingdauer von 3 Jahren, für die der Passat erworben wird, passt das alles – ein qualitativer Überflieger ist der Passat deshalb nicht. Dazu kommen dann noch Luftdrucksensoren bei den Dieseln (irrwitzig teuer), DSG Getriebe, die am Anfang gut sind, nach 270.000 Kilometern aber zum typischen „Hüpfen“ neigen und schwer zu bedienen sind. Sind die Modelle besser ausgestattet (Navi, Freisprecheinrichtung, etc.) stellt sich auch deutlich öfter heraus, dass VW die Komplexität noch nicht beherrschte. Hier war vor allem Opel besser, ganz gleich, was der Stammtisch sagt – beim Mondeo hingegen findet man diese Ausstattungsmerkmale seltener.

Die „Armauflagen“ oder „Fensterbretter“ taugen leider auch nicht viel und neigen zu knarz- und Knackgeräuschen – immerhin ist der Passat dennoch mit weit besseren Innenraum-Materialien verbaut worden als etwa der Vorgänger oder die erste Generation des Sharan oder gar der Golf IV. Die Innenräume sind bis auf die Sitze daher oft auch nach 12 Jahren noch gut und wirken wertig.

Billigautos.de Fazit Passat B6

Alles in Allem enttäuscht uns der Passat in dieser Preisregion jedoch erheblich: Sowohl absolut betrachtet ist er qualitativ und im Zustand nicht wirklich beeindrucken, verglichen mit dem Mondeo, dem Vectra oder einem Toyota Avensis zeigt sich, dass er seinen hohen Gebrauchtpreis nicht wert ist.



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