Opel Corsa B – Unschlagbar zäh und billig?

Die Frage nach dem wirklich billigen Billigauto, die erreicht uns ja doch immer mal wieder. Darauf gibt es natürlich ganz klar unterschiedliche Antworten – und über die Jahre haben wir ja stets den Ford Taunus, den Sierra und den Mondeo als die besten Billigautos gepriesen, weil sich ihr Verhältnis von Preis, Leistung und Simplizität an einer sehr günstigen Stelle trifft – und das relativ verlässlich, immer wieder.

Billigautos Opel Corsa B

oftmals keine Schönheit: Opel Corsa B – dafür billig und zäh

Aber natürlich: Wir finden fette Schleudern nicht nur aus unserer Erfahrung heraus stets besser als kleine Autos, wir mögen sie auch lieber. Wenn man schon ein billiges Auto fährt – dann soll das doch nicht auch noch klein sein, oder?

Aber gut, wer es mag: von den drei kleinen Deutschen hatten wir über die letzten Jahre ebenso erstaunlich viele. Klare Erkenntnis dabei in Aufsteigender Reihenfolge: Der VW Polo ist in 90% der Fälle die schlechteste Wahl, der Fiesta ist stets deutlich besser für das gleich Geld und wenn einer ein wirklicher Winner in dem Segment ist, dann ist es der Opel Corsa B, wie er von 1993 bis ins Jahr 2000 vom Band lief. Fast schon ein Youngtimer, aber doch noch so allgegenwärtig.

Und wenn Du dich in der Szene unter 500€ und weit unter 500€ umschaust, dann begegnet er dir nicht nur immer wieder – er begegnet dir auch überproportional häufig mit 12 Monaten TÜV – und das will ja in der Klasse oftmals schon was heißen.

Damit ist der Einstiegspreis meist schon einmal auf fairem Niveau. Aber das ist der Einstiegspreis für einen Fiat Uno oftmals auch…

Opel Corsa B Reparaturhandbuch

In dem Falle der bessere Helfen als das „Jetzt helfe ich mir selbst“ – Die Bilder sind in dieser Ausgabe einfach klarer und Verständlicher

Was spricht sonst noch für den Opel Corsa B? Einmal sicherlich seine grundlegende Zähigkeit. Der Opel Corsa ist eines dieser Autos, die dir mangelnde Pflege über erstaunlich lange Zeit verzeihen. Und nicht nur das – er ist auch technisch noch bemerkenswert übersichtlich. Auch Doppellinkshänder können hier mal ein Teil tauschen.

Und Ersatzteile sind ein großer Schlüssel zur Preiswürdigkeit des Wagens: Die nämlich bekommst Du zurzeit in Hülle und Fülle und zu entsprechend guten Preisen – der Corsa hatte einfach eine sehr gute Verbreitung. Das gilt vor allem auch jenseits der Deutschen grenzen. In Ländern wie den Niederlanden oder Belgien ist er stets der Held gewesen, nicht etwa der überteuerte Polo.

Die Motoren des Corsa sind ebenfalls in großen Teilen angenehm alt und simpel. Für den Diesel gilt das nur mit Abstrichen.

Natürlich gibt es Dinge, auf die man beim Corsa achten muss. Ärgerlich ist die gesamte Verkabelung, die aufgrund ihrer Weichmacher überproportional häufig von Mardern angenagt wird. Auch die verwendeten Schläuche sind nicht durchgängig gut, speziell die Benzinleitungen. Die Ölpumpe ist begrenzt gut und an den beiden wesentlichen Dichtungen der einzelnen verwendeten Modelle fast immer ein Tropf-Kandidat. Der Scheibenwischer-Motor taugt ebenso wenig wie die dazugehörigen Gestänge. Dafür sind die Fahrwerksteile, die Bremsen und all die TÜV-relevanten Teile gut und im Ersatz billig. Auffällig oft beim Corsa ein sonst exotischer Fehler: Blockierte Schaltgestänge. Eine der wenigen OPs, die man nur schwer Sonntag Mittag in der Garage erledigen kann…

Opel Corsa B innen 1997

Innen eher zweckmäßig wie eigentlich alle Opel dieser Zeit. Stets mehrfach prüfen: Rückwärtsgang einlegen, einen Meter rückwärts fahren und wieder in den Ersten schalten. Die Sperre neigt zur Zickigkeit

Der Opel Corsa B fährt sich noch sehr zeitgemäß und durchaus auch sicher. Er vermittelt (mit Ausnahme der Lenkung vielleicht) sogar einigermaßen Fahrspaß – hier ist der Fiesta seit Jahren besser, aber der Opel geht okay, vor allem, wenn wir hier von einem 300€ Auto reden. Die verbauten Motoren mit meist eher 45 oder 60PS wirken auf dem Papier aus heutiger Sicht schier lächerlich, machen aber ihren Job. Und si machen ihn zu einem fairen Preis – aus Verbrauchsgründen jedenfalls spricht nichts in dem kleinen Wagen für den Diesel, der zudem anfälliger ist als die Benziner (Auch, wenn man Modelle mit 400.000 auf der Uhr findet).

Der Viertürer ist das bessere, wenn auch irgendwie hässlichere Auto – aber eher selten. Was bei beiden auffällt und vielleicht auch zu den günstigen Preisen beiträgt: Corsas vom Modell B bleichen enorm aus – das gilt für den Lack ebenso wie für die Kunststoffteile. Wer seinen Corsa nicht permanent in der Garage stehen hatte, der hat einen ausgeblichenen Corsa, Punkt. Rost gibt es, ja – ist aber bei den Autos dieser Preisklasse meist bereits (unfachmännisch, sichtbar und vorübergehend) behoben.

Kein Auto dieser Preisklasse ist uneingeschränkt fehlerfrei oder die Wunschbesetzung für eine Nachtfahrt von Hannover nach Südfrankreich – aber wer zum Preis des Bahntickets mit einem eigenen Auto dort hinkommen will, ist  mit dem Corsa B bestmöglich bedient.




3 Kommentare

  • jannik

    100% Zustimmung.
    Der Corsa von meinen Bruder ist 21 Jahre alt wird regelmässig über die Autobahn gejagt und hat 280.000 kilometer runter.
    Getriebe, Motor ,Kupplung alles noch gut und sollte wohl noch paar Jahre halten. Der Unterboden wurde aber schon komplett erneuert und einen Unfallschaden hat er auch schon überstanden. Mega zäh die Karre. Aufpassen muss man beim Zahnriemen damals hat Opel alle 60.000 km einen Wechsel verlangt.

  • Karlo Ljubanovic

    Hehe ja mit diesem Modell hatte ich auch schon über die Jahre hinweg meine Erfahrung und kann nur sagen dass ihr mir aus der Seele spricht

    In meiner Zeit als pizzafahrer hatten wir zwei Stück davon und du kannst machen was du willst, selbst im “Zombie Modus“ laufen die Dinger unaufhörlich weiter. Einer der beiden hatte sogar nenn ZKD Schaden und lief ein ganzes Jahr so weiter.

    Vor einigen Monaten haben wir so einen Corsa hergerichtet und einer bekannten verkauft und die ist tadellos glücklich damit.

    Wäre das Problem mit dem Rost nicht, wäre es neben Mercedes 124 und Audi 80 wohl das langzeitautos!

    Aber gut welcher Wagen ist schon perfekt

  • Stefan

    Ja, ich hab auch noch so ne Kiste…zähe Biester.
    Seit Jahren denk ich mir “kauf dir doch mal was neues”…5 Sekunden später dann “näh, warum eigentlich?!”

    Zur Kaufberatung…ich würde zu den Facelifts ab 97 raten mit 55, idealerweise 65PS. Zumindest solange die Steuerkette nicht rappelt. Die haben oft einigermaßen gute Ausstattung: ABS, 4 Airbags, Servo, evtl. Klima (die nie gewartet wurde und daher nicht geht), Abgas immerhin D4. Gerade die letzten Ed100 und Ed2000.
    So Wahnsinnige wie ich, die so eine Möhre in Schuss halten, sind aber selten. Und die geben die Autos dann auch nicht her. Wird also immer schwieriger noch was gutes zu finden.
    Kein (OK, wenig) Rost am Unterboden – gerade Aufnahme Querlenker – wäre schön, durchgefaulte Klappen vorne/hinten sind wurscht, die kann man abschrauben.
    Die B-Säulen reißen manchmal ein – betroffene Fahrzeuge dürfte inzwischen aber idR aussortiert sein.

    Die Ersatzteilsituation verschlechtert sich langsam aber sicher spürbar. Vor 3 oder 4 Jahren gabs massenweise gebrauchtes quasi geschenkt. Inzwischen leeren sich die Lager.
    Die gängigen Verschleißteile gibts aber natürlich neu zum Spottpreis.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.