Renault Vel Satis – Ist die fette Schleuder ein gutes Billigauto?

Renault Vel Satis

Schau mir in die Augen, Kleines – Der Renault Vel Satis macht aus manchen Perspektiven durchaus was her

Kaufberatung für den Renault Vel Satis – danach werden wir öfter gefragt, als wir wahrhaben wollen.

Tatsächlich ist das schon irgendwie naheliegend: Wenn eine Großes Auto einen brutalen Wertverlust hatte, dann ja wohl der Renault Vel Satis.

Zunächst mal war er für den Mainstream einfach zu krass – die Leute schauten auf ihn und fragten sich, was das wohl sein sollte. Er hatte irgendwie etwas vage präsidiales, dennoch hatte er auch immer ein bisserl zu viel von einem platt gehauenen Grand Espace – und den finden die meisten Leute nicht so recht cool für eine gehobene Mittelklasse oder gar Oberklasse, die der VEl Satis für Renault abbilden sollte.

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Die Schokoladenseite des Renault Vel Satis ist zweifellos der Innenraum – gediegen und gut gedämmt – saubequeme Sitze

Dann kamen heikle Qualitätsmängel hinzu. Leider exakt solche, die den Stammtisch in Wallung bringen: Der Renault Vel Satis hatte das, was man eine [brutale] Serienstreuung nennt: Einige Modelle waren von Tag 1 an solcher Schrott, dass sie ihre Besitzer in den Wahnsinn trieben – das kennen auch die Laguna Piloten dieser zeit – andere, und da speziell die Diesel, rafften 200.000 Kilometer unter die Räder, ohne müde zu werden.

Klappern und Knarren tun sie alle, soviel vorweg.

Aber damit mögen vielleicht all jene glücklich werden, die ein absolut exzellent ausgestattets Auto mit tollen Autobahnqualitäten für 2.000€ kaufen müssen – wer so etwas in Deutsch will, legt mal schnell das Doppelte an, gerne auch mehr.

Was kann der Renault Vel Satis?

Böse Zungen sagen: Klappern. Ja, stimmt. Was kann er sonst? Er macht Dir die Oberklasse – und das gar nicht schlecht. Leder, Automatik, eine ziemlich anständige Klimatisierung – und eben diese ungewöhnliche Optik, die man durchaus mögen kann.

Image6Auf Landstraßen und Autobahnen schlägt die große Stunde des Vel Satis – zumindest bis 150 KM/H – danach schlagen Windgeräusche durch. Was für den Vel Satis auf der Autobahn spricht, sind seine fetten, gemütlichen Sitze, die so bequem sind wie sie aussehen. Schon wegen denen kann man beim Vel Satis schwach werden – und das vor allem bei den gegebenen Preisen.

Der Vel Satis ist teilweise schier lächerlich billig.

Empfehlenswert aus allen Perspektiven: Die Diesel – in unserer Preisklasse vor allem der 2.2 CDI. Der 3.0cdi ist eigentlich nur auf dem Papier cooler, zumal er signifikant mehr verbraucht und im Alltag dafür nicht wirklich mehr kann. Für die Benziner spricht im Grunde nichts. Ja, sie sind leiser – aber sie sind mit dem schweren Wagen schnell an den Grenzen und noch schneller jenseits der 10 Liter Marke. Hinzu kommt, dass sie teilweise ungewöhnlich teuer zu versichern sind, obwohl das ja normalerweise umgekehrt ist. Hier lohnt der Vergleich wirklich, da die Einstufungen von Versicherung zu Versicherung stark schwanken.

Renault-Qualität?

Tja – in der tat: der Vel Satis neigt zu Macken, neigt zu Pannen. Die britischen Garantie-Versicherer sehen den Vel Satis nicht gern mit einem Mängel-Kosten Index von satten 216….! Hier kommt beides zusammen: Anfälligkeit und teure Ersatzteile.

Kann weniger als man meint: Ve Satis Kofferraum

Kann weniger als man meint: Ve Satis Kofferraum

Anfällig sind Fahrwerk und Lenkung, was passabel gepreist ist, aber auch die Auspuffanlage in einer Art und Weise, die man sonst nur aus den 70ern kennt. Auch der Lack des Vel Satis ist teilweise Mist. Die Sitzschienen neigen zu fast ebenso viel Spiel wie de Lenkung – die Automatikgetriebe halten, sind aber im Falle eines Ersatz-Bedarfs obszön teuer, der Auspuff auch.

Ja – wie gesagt: Serienstreuung – viele der heute kaufbaren Vel Satis sind durch die Täler der Tränen schon hindurch. Eines nervt bei allen: Der Bremsenverschleiß des schweren Renault. Gerne werden da auch mal die Scheiben Wellig – alles nervig und teuer.

vel_satis_seite_silberWie gesagt – in den Phase dazwischen hat man ein tolles Auto – ungewöhnlich und mit ungewöhnlicher hingucker-Optik und sogar ganz passablem Laderaum, auf jeden Falle aber mit ausgezeichneten Platzverhältnissen im Innenraum – hier ist der Vel Satis erste Sahne. Eine wirklich fette Schleuder.

Kaufberatung Renault Vel Satis – im Fazit – würden wir den Vel Satis kaufen?

Der Vel Satis hat Qualitäten und ist eben kein Mainstream-Auto – das reicht als Entschuldigung für teils schludrige Verarbeitung nicht aus. Der Preis ist heiß, der für die meisten Ersatzteile ist heißer. So gilt dann am Ende des Tages: Finger weg, es gibt problemlosere fette Schleudern für das Geld.

Aber die Verlockung ist groß.

6 Kommentare

  • Kay

    Moin,

    ich war für ca. 24 Stunden Besitzer eines Vel Satis 3.0 cdi. Ich habe das Auto damals vor allem wegen der wirklich tollen Platzverhältnisse gekauft. Der Händler hat mit damals (dumme für ihn) ein 14 tägiges Rückgaberecht eingeräumt.

    Ich habe den Wagen abgeholt und bin direkt vom Händler Zu Renault gefahren. Das war nötig weil das kryptische Radio nach einem Batterieausfall nach dem Code verlangt hat, und der Händler auch nicht wusste wo der ist. Bei Renault angekommen erklärte mir der Meister dann auch wo ich den Code finden kann (Fahrzeugbrief letzten 4 Ziffern der Fahrgenstellnummer) . Als ich ihn dann fragte wie man den Code eingibt, bot er mir gleich an mit raus zu kommen und es mir zu zeigen. Kaum vor der Tür, sah er auf der anderen Straßenseite meine Neuerwerbung und sagte nur: „Der da drüben mit dem blauen Aufkleber? Oha! Denn kenne ich!“ Wie ich dann erfuhr, war mein Vel Satis sehr regelmäßiger Gast in dieser Werkstatt. Vor allem wegen Problemen mit dem tollen 3 Liter Dieselmotor. Genau dieser Motor ist übrigens auch im Saab 95 und Opel Signum Verbaut und stammt von Isuzu. Wie der Meister erklärte ist dies eigentlich ein toller Motor, den diese drei Marken nur falsch eingebaut hätten. Der Motor ist eigentlich für den längs Einbau konzipiert und hat, bedingt durch den quer Einbau, thermische Probleme an der hinteren Zylinderbank. Dadurch sind zum Beispiel sehr oft die kompletten Düsen hinüber. Der Austausch in der Fachwerkstatt ist dann mit flotten € 1.800,– zu bezahlen. Dazu kommen noch diverse Elektrikprobleme. Der Meister sah dann mein Kurzkennzeichen und sagt: „Sieh zu dass Du die Karre sofort zurück bringst und Dir Dein Geld wieder holst. Mit dem wirst Du nicht glücklich.“

    Nach einer schlaflosen Nacht und diversen durchstöberten Foren, habe ich dann auch genau das am nächsten Morgen gemacht. Der Händler meinte nur dass er das geahnt hätte und gab mir anstandslos mein Geld zurück.

    Als ich ein paar Tage später meinen BMW e38, den ich mir statt dessen gekauft habe, zugelassen habe, traf ich den Händler bei der Zulassungsstelle. Als ich auf seine Frage hin sagte was ich mir nun gekauft habe, meinte er dass das die 100% bessere Entscheidung gewesen sei.

    Ich habe den Wagen in der kurzen Zeit wirklich sehr genossen und finde ihn heute immer noch irgendwie cool. Aber ich musste ja in den 24h auch nicht in die Werkstatt mit ihm.

    Fahre übrigens seit ein paar Jahren nun Chevy Tahoe und bin sehr glücklich. 😉

    Viele Grüße aus dem hohen Norden,
    Kay

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  • Marc

    Hmm…an sich eine nette Zusammenfassung, allerdings halte ich einige Schlussfolgerungen für schlicht falsch.
    Das beginnt zum Beispiel mit der Behauptung, dass speziell Diesel viele Kilometer rennen, ohne Müde zu werden. Faktisch liegt das Problem etwas anders:
    Gerade die Diesel im Vel Satis haben sich über die Jahre als anfällig erwiesen. Insbesondere der 3.0 dci, der relativ häufig verkauft wurde. Der Motor wurde von General Motors eingekauft und wurde von ISUZU entwickelt und gebaut. Der Motor war aber zur Einführung bei Renault bereits technisch veraltet und eine Fehlkonstruktion, da der Motor thermische Probleme hatte, die zu Ausfällen bis hin zum Motorschaden führten, da quer eingebaut, vom Konzept her jedoch für Längseinbau vorgesehen. Aber auch die kleineren Diesel zeigten sich nicht immer mängelfrei.
    Da Vel Satis und Co aber gerade als Diesel am meisten verkauft wurden, kann das den Ruf eines eigentlich soliden Autos schnell versauen.
    Die Elektronikprobleme, die hier und da auftauchen, sind meist mit einfachen Mitteln zu beseitigen. Dazu muss man nur bereit und in der Lage sein, wenn man ein solches Auto kauft.
    Hier wird erwähnt, dass angeblich nichts für die Benziner spricht.
    Das ist ein weiteres Fehlurteil, denn gerade die Benziner sind gut gepflegt und ordentlich behandelt sehr zuverlässig. Insbesondere gilt das für den Vel Satis 3.5 V6.
    Bis auf das Getriebe, stammt hier fast alles, was mit dem Antrieb zusammenhängt, aus Japan (Nissan, Hitachi,…) und kommt in gleicher oder ähnlicher Form in vielen Nissan/Infinity-Modellen mit 3.5 V6 zum Einsatz. Dieser Motor (VQ35DE) ist eine reine Nissan-Entwicklung und hat sich bewährt. Die in Deutschland bekannteste Variante ist wohl der Nissan 350z. Da auch hier im Renault quer statt sonst meist längs eingebaut und um mit dem zumteil etwas unsouveränen Getriebe zu harmonieren, wurde er gedrosselt.

    Trotzdem hat der Motor dadurch einige angenehme Eigenarten:
    1.
    Er gehört zu den wenigen Benzineinspritzmotoren, die sich durch reine Kennfeldveränderung um mindestens 10-15% in der Leistung steigern lassen. Das ist auch kein Problem, wenn man es nicht übertreibt. Unter 300PS und 400Nm sollte man ohne drastischere Veränderungen bleiben. Viele Tuner bieten Chipoptimerung mit um 265PS/350Nm als Ergebnis für relativ kleines Geld.

    2.
    Lässt sich der V6 vergleichsweise verbrauchsarm fahren. Renault gab den Durchschnitt damals mit 11.4 Litern an. Das lässt sich erstaunlich leicht unterbieten. Wer viel AB fährt und gerne den recht pfiffig gemachten Tempomaten nutzt, um bei moderaten Geschwindigkeiten zu bleiben (120-150km/h) kann unter 9 Litern kommen.

    Je nach Motorisierung wiegt der Vel bis zu fast 1.9to leer. Wer sich für ein Fahrzeug dieser Klasse entscheidet und dieses Raumangebot etc. für sich nutzen will, sollte wissen, worauf er sich einlässt.
    In diesen Klassen, mit diesen Leergewichten, sind gewisse Verschleißerscheinungen an Spurstangen und vereinzelt an Stabilisatoren völlig normal und physikalischen Gesetzen geschuldet. Für Bremsen gilt das gleiche. Der Vel Satis ist hier nicht auffälliger als andere mit ähnlichen Proportionen. Zumal eine kompletter Scheibensatz (vorne und hinten) für unter 200,- EUR zu bekommen ist. Wer diesen dann noch selbst einzubauen vermag, sollte sich nicht beklagen müssen.

    Was beim Vel Satis nur eintypisches Problem ist, was viele Modelle mit drastischem Wertverlust ereilt, ist die Tatsache, dass gute Exemplare langsam rar werden. Gerade der 3.5 V6. Die komplette Modelrreihe des Vel wurde gerade mal über alle Baujahre und Phasen hinweg ganze 50.000mal produziert. Der V6 Benziner keine 3.000mal.
    Hat ein Fahrzeug einen ungewöhnlich starken Wertverlust, ist leider das Problem, dass viele meinen, sie müssten die Billigheimerei beim Einkauf auch bei der Pflege und Wartung fortsetzen. Das ist der Tod eines jeden Gebrauchten und der Grund, warum auf den Märkten viel Schrott zu kaufen ist. Warum sollte es beim Vel Satis hier anders sein?
    Vel Satis sind inzwischen mindestens 7 Jahre alt (und letzte MJ sind sehr rar) und die ältesten der Phase 1 immerhin doppelt so alt.
    Da ist klar, dass man solche Fahrzeuge sehr bedacht kaufen muss und akzeptieren, dass die Besitzer der sehr gut erhaltenen und zuverlässigen Modelle sie auch nicht unbedingt so schnell loswerden wollen.
    Wie manche andere Modelle dieser Zunft, hat der Vel Satis schließlich das Potential ein Klassiker zu werden.

    Gruß
    Marc

    • billigautos

      …stimmt aus unserer Erfahrung heraus nicht in allen Punkten – aber diesen Kommentar müssen wir ja schon aufgrund seiner exklusiven Länge lobpreisen! Vielen Dank!

      • Marc

        Vielen Dank. Gern geschehen. Bei der Gelegenheit auch eine kleine Korrektur:
        Auch das Getriebe des Vel V6 ist aus Japan, allerdings von Aisin, mit denen Renault ab und an zusammenarbeitet, während der VQ35DE sonst im Großteil jedoch mit Jatco-Automatiken (Nissan-Tochter) kombiniert wird. Letzteres halte ich für die besseren Varianten.

        Gruß
        Marc

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