Nissan Primera P12 – Cooler Billig-Transporter?

Dass der Nissan Mittelklasse-Wagen Primera P12 den Red Dot Award erhalten hat, ist uns bis heute unerklärlich: Der Wagen sieht aus nahezu jeder Perspektive übel aus – aber vielleicht ist das ja in dem Falle irgendwie Kunst oder so.

Der Kombi ist noch einigermaßen ansehnlich, während die Limousine von hinten den Charme eines Schrumpfkopfes hat. Aber das muss ja noch lange keinen schlechten Wagen aus ihm machen. Seine Vorgänger in dem Segment galten als ein paar der robustesten und zähesten Fahrzeuge, die man kaufen konnte – das galt speziell für den damals noch auf den Namen Bluebird hörenden Vorgänger, von dem man in afrikanischen Ländern heute noch Modelle im Alltagseinsatz findet.

Nissan Primera P12 innen

Das unübersichtliche und nicht zu ende gedachte Bedienkonzept des Nissan Primera P12 war unzweifelhaft eines seiner größten Probleme. Die Anzeige der Rückfahrkamera erinnert an Computerspiele aus den 80er Jahren

Ganz so eine glückliche Hand hatte Nissan beim letzten Primera dann nicht mehr. Angefangen mit der Tatsache, dass Nissan für damalige Verhältnisse schon eine Menge Hightech in den Wagen stopfte – da gab es Bordcomputer, gepaart mit Festinstallierten Telefonfunktionen, Rückfahrkameras – alles Dinge, die zu dieser Zeit durchaus noch als Hightech galten. Ultra-Highlight: Ein Abstandssensor, der den Wagen automatisch ausbremst, wenn man dem Vordermann zu nahe kommt. Das ist schon großes Kino.

Jedoch… Wer heute einen Nissan dieser Baureihe für kleines Geld erwirbt, sollte nicht damit rechnen, dass all diese Features auch immer unbedingt funktionieren – also nicht zu früh freuen. Das verbaute Navi neigt darüber hinaus auch im funktionierenden Zustand zu unfassbaren Abstürzen, vor allem in Großsstädten wie Frankfurt, wo es zwischen den Hochhäusern gerne mal den Überblick verliert und gerne mal behauptet, man befände sich im nahegelegenen Offenbach oder im deutlich weiter entfernten Gießen…

Das ist auch schon das Highlight des Wagens – aber eins mit qualitativen Problemen

Entschädigung für dererlei Quatsch geht vom großen Kofferraum des Kombi-Modells aus. Der Kofferraum des P12 hat über 1600 Liter zu bieten – und die sind auch noch gut nutzbar. Abgesehen von der ungemein anfälligen Kofferraum-Abdeckung, die von vielen Fahrern irgendwann einfach entsorgt wird, weil sie im Alltag nervt. Der Kofferraum ist signifikant schlecht ausgekleidet und schlecht verklebt – bei älteren Modellen fehlen oft große Teile der Auskleidung vollständig. Und auch an anderer Stelle hat Nissan unzulänglich gespart: Das Automatik-Getriebe – seines Zeichens stufenlos – ist nicht nur unglaublich lahmarschig und macht den Wagen ohne Not zum Säufer (12+ Liter), sondern gilt auch noch als anfällig und neigt zu Undichtigkeiten. Die notwendigen OPs sind teuer und aufwändig.

nicht wirklich besser als der Durchschnitt – hinzu kommt: Die Sitze der kleineren Ausstattungen haben keinerlei Langstreckenqualitäten

Alles in allem gibt es nicht vieles, was den Nissan Primera postiv von irgendwelchen Alternativen abhebt. Der Toyota Avensis etwa ist ein weit besseres Auto dieser Zeit, der sich zu allem Überfluss weit knackiger fährt, während speziell die Automatik-Version des Nissan Primera P12 sich sehr synthetisch anfühlt.

Es hatte Gründe, dass sich der Primera schon zu Lebzeiten nicht besonders gut verkaufte und vor allem die Stammkundschaft verprellte. Am Ende legte Nissan noch mehr Ausstattung nach und senkte die realistischen Strassenpreise des Wagens. Dennoch: Der Primera starb und erhielt keinen Nachfolger. Der Verlust ist nicht übermäßig groß – es gibt jede Menge besserer Mittelklasse-Autos für das gleiche Geld.