Mercedes W211 – good Buy?

Der Mercedes W210 genießt in vielerlei Belangen keinen besonders guten Ruf – und das hat er sich offensichtlich gegenüber dem W124 hart erarbeitet, dessen Heiligsprechung wohl schon irgendwann vor 12 oder 15 Jahren stattgefunden haben muss.

Der W210 ist in vielerlei Hinsicht unrettbar, wenn man ein schlechtes Exemplar erwischt – der Ruf ist ohnehin unrettbar, da macht der Stammtisch natürlich dann auch vor guten Exemplaren keinen Halt.

Wie aber steht es um den Nachfolger? Ab 2002 gebaut, stehen auch von diesem Mercedes schon Modelle um 3.000€ zur Verfügung (Für die, am Rande bemerkt, nur selten der Vor-Vorgänger den Besitzer wechselt. Lohnt es sich jetzt, auf den W211 in Billig zu setzen?

Der Mercedes W211 – E-Klasse konzeptionell

Mercedes weiss einfach, wie man ein Auto dieser Klasse baut. Es ist beeindruckend: Viele Ergonomie-Maße des W211 sind praktisch identisch mit dem W114/W115 von 1968 – Meredes hat diese Klasse in meherfacher Hinsicht erfunden – und lange hat ihnen hier keiner etwas vorgemacht.

Auch mehrfach vollgekotzte Taxen mit 500k+ auf der Uhr erzielen teilweise noch substanzielle Preise – zurecht? Konzeptionell ist der W211 ein tolles Auto in einer langen Tradition guter Wagen der gehobenen Mittelklasse

Der W211 macht konzeptionell dort weiter, wo der W211 aufgehört hat. Der Wagen ist im Innenraum bedeutend moderner, wirkt dadurch im ersten Augenblick fast ein wenig beliebig und weniger Mercedes-artig als der W210, vor allem dessen frühen Modelle, die noch das grundlegende Instrumentendesign des W123 haben (das auch ziemlich gut und seiner Zeit voraus war…). Nimmt man aber Platz – und da ist gleichgültig, ob vorne oder hinten, da merkst Du: Yeah, ich sitze in einem Benz. Geil.

Konzeptionell ist der Wagen ausgezeichnet – hier ist alles durchdacht und mit größtenteils überzeugenden Materialien umgesetzt bis hin zur Kofferraumwendematte, deren Name nur von der Deutschen Sprache unterstützt wird 😉

Der Wagen fährt sich auch heute noch ausgezeichnet, hat dieses Satte, was leichtere und kleinere Autos in den Jahren noch nicht erreicht haben. Die Sitzposition ist nicht ganz so ermüdungsfrei wie im Vorgänger.

Qualitativ: Ist der W211 wieder Benz as we like it?

Hm.. die hässliche Antwort bei einem W211 für 3000 Euro lautet: Jein…

Ergatterst Du einen facegelifteten Mercedes W211 also MOPF 2006, dann hast Du gute Chancen, ein wirklich gutes Auto zu erwerben. Das bekommst Du aber für 3000 Euro nur, wenn Du entweder ein altes Taxi kaufst oder einen Wagen mit der Laufleistung eines Taxis – wir reden da von 500.000 Kilometern und mehr – sicherlich nicht jedermanns Sache, auch wenn man zu hoher Laufleistung durchaus andere Ansicht haben kann als der Stammtisch.

Top Arbeitsplatz

Und ja: Es gibt wirklich viele Gründe, die gegen einen Wagen mit solch einer Zahl auf dem Tacho sprechen – und gegen Taxen sprechen vermutlich noch mehr Gründe – angefangen bei versifften Innenräumen mit durchgesessenem Gestühl. Ältere Exemplare, die eher 250.000 Kilometer gelaufen haben und zwischen 2002 und 2006 gebaut wurden, haben technisch konzeptionelle Mängel. Allem voran die empfindliche elektrohydraulische Bremsanlage, die Mercedes 2006 im Laufenden Betrieb austauschte, weil sie schlicht nicht beherrschbarer Mist war. Durchaus gibt es auch Rost, wenn auch nicht auf dem Niveau des W210 und anfällige Elektronik, die ab 2006 deutlich solider ist. Bei der Ur-Elektronik ist vor allem die Fehlersuche und der leidige Fehlerspeicher der Onboard-Diagnose-Einheit sträflich schlecht und liefert oft wirre Informationen, auf deren Basis Du Ersatzteile besorgst, nur um dann festzustellen, dass beim nächsten Auslesen gänzlich andere Theorien bestehen, warum der Wagen dieses komische Geräusch macht und 16 Liter verbraucht.

Inserate für billige W211 sind nicht immer selbsterklärend

Noch schlimmer: Ersatzteilpreise für Xenon-Scheinwerfer und Steuergeräte – wenn Du mal Blutdruck erleben willst und eine gut dotierte Lebensversicherung hast, sprichst Du hierzu mal Taxifahrer an…

Ebenso allen Modellen gemein: Empfindlichere Automatikgetriebe als beim Vorgänger. Das wird auch nach dem Facelift nicht besser und Ersatz ist nicht billig.

Fazit: Mercedes Benz W211 für 3 große Scheine – eine gute Idee?

Leider mal wieder nein. erst, wenn die Modelle ab 2006 ausreichend verfügbar sind, ist Mercedes bei Billigautos wieder drin. Die frühen W211 sind keine gute Idee und man könnte sich beinahe fragen, was Mercedes aus dem W210 und dem W168 gelernt hatte, als sie diesen Wagen aus dem Werk entließen. Scheinbar nicht viel.



Ein Kommentar

  • tankhalbvoll

    Beim Automatikgetriebe muss man zwischen der 7G-Tronik (6- und 8-Zylinder-Modellen ohne Allradantrieb) und dem 5-Gang-Getriebe (4-Zylinder-Modellen, Modellen mit Allradantrieb und AMG-Modellen) unterscheiden. Während die 7G-Tronik häufig in Verruf kommt, genießt die 5-Gang-Einheit eigentlich einen guten Ruf als problemloser Langläufer. Diesen Ruf genießen auch die 4-Zylinder-Diesel (OM646), während die V6-Diesel (OM642, ab kurz vor Mopf) nicht nur statistisch anfälliger, sondern wegen der kompakten Bauweise (z.B. Ölkühler unter Turbo zwischen den Zylinderbänken) kompliziert und teuer zu reparieren sind. Verbringt man genug Zeit im W211-Forum von Motor-Talk, dann kommt heraus: wer auf vorhersagbare Wartungskosten aus ist, der greift zum OM646 mit 5-Gang-Getriebe.

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