W202

Lohnt der Mercedes W202 noch?

Immer noch fahren viele Leute den W124 von Mercedes oder den Golf 2. Nicht, weil Sie glauben würden, damit einen coolen Hingucker der Youngtimer- und Oldtimer-Szene zu besitzen, sondern weil sie davon überzeugt sind, ein paar der qualitativ besten Fahrzeuge zu besitzen, die je gebaut worden sind und damit am Ende ein paar der gesamthaft billigsten Autos zu besitzen.

Der lange Zeit umstrittene W202 ist in den letzten Jahren ebenfalls verstärkt zu einem der Lieblinge der Youngtimer-Szene geworden – hat er sich das auch durch seine Qualität verdient, lohnt der Wagen heute noch als qualitativer Alltagswagen?

W202

Wird heute oft als Hinterhof-Auto angesehen – teilweise zu unrecht: Es gibt bemerkenswert viele gute Exemplare

Der W202, die erste C-Klasse und Nachfolger des 190er Mercedes (W201), wurde von 1993 an gebaut und blieb 8 Jahre auf dem Markt, bevor er vom höchst zweifelhaften W203 abgelöst wurde. Heute kann einem jeder Mercedes-Mechaniker sagen, dass der W202 zumindest gegenüber seinem Nachfolger das deutlich bessere Auto war – und ist.

Hinzu kommt: Der W202 wird hier und da auch als Rentner-Ersthand-Auto immer mal wieder mehr oder minder verschenkt. Wir hatten vor 2 Jahren eine W202 für 400 Euro, der jenseits schief ziehender Bremsen ein vollkommen angemessenes Fahrzeug war, der zudem eigenartiger Weise von deinen Nachbarn oft noch immer als irgendwie wertiges Fahrzeug wahrgenommen wird – ein wenig so wie die BMW Modelle E34 und E39, die irgendwie immer noch stattlich wirken. Im Gegensatz zum zeitgleich gebauten Mitbewerber Mercedes W210 gelten die BMWs als qualitativ hochwertig und zuverlässig.

Der W210 gilt zurecht als zweifelhaft – warum also sollte sein kleiner Bruder W202 besser sein?

Mercedes W202 C-Klasse 1994

Nachbarn empfinden den Wagen oft immer noch als irgendwie repräsentativ. Er hat was von einer kleinen S-Klasse

Tatsächlich haben wir unlängst wieder mit 2 Taxifahrern gesprochen, die immer noch mit W202 unterwegs sind – mit Tachoständen entschieden jenseits der 500.000. Warum den W202?

„Der Wagen ist unschlagbar billig,“ erklären sie uns, „Der C200D ein Traum von der alten Schule. Alles, was schlimm und teuer kaputt geht – Differentiale und ähnliches – weißt Du schon Wochen vorher. Und dann nimmst Du Dir eben mal ein Wochenende und machst das. Die Mechanik ist top und gestörte Steuergeräte und gelenkte Xenon-Scheinwerfer und ähnliche anfällige und unfassbar teure Teile hat der W202 einfach noch nicht.“

Ein anderer sagt uns „Der galt zu unrecht als schlecht. Der 180er Benziner ist tatsächlich nicht so toll, der 200er noch schlechter – angefangen bei der stressigen Übersetzung und den anfälligen Getrieben und Differentialen. Lieber einen 240er oder gleich den 280er, wenn es ein Benziner sein soll. So ein 280er ist brutal stark, leicht, wendig – und nicht teurer als die kleinen Modelle. Die Diesel sind aber besser. Und auch die Sitze taugen was – im Gegensatz zum 203er.“

W202

Gilt in vielen Ländern immer noch als respektables Alltags-Auto – auch im harten Einsatz

Das deckt sich mit diversen Foren, wie aber auch mit unseren Beobachtungen und dem, was auch schon unser altes Mechaniker-Netzwerk immer gesagt hat: Den W202 nicht verdammen, nur, weil er hier und da etwas rostet – was übrigens der 190er deutlich häufiger tat – und der ist lange schon heilig gesprochen, was sicherlich unter keinen Umständen für seine Wagenheber-Aufnahmen gilt…

Der W202 glänzt darüber hinaus, vor allem mit der Automatik, die Daimler damals verbaut hat, immer noch durch durchaus zeitgemäßes Fahrverhalten und kann auch heute noch Langstrecken – und das eben zu Top-Preisen, bei denen keinerlei Wertverlust zu befürchten ist – im Gegenteil: frisch poliert ist so ein W202 in der neu erwachten Hipster Szene der Youngtimer Szene schnell was wert – erst recht dann, wenn es sich um die frühen Modelle hält, die teilweise schon einigermaßen schrullig mit Caramel-farbenen Innenräumen oder knalligen Sitzmittelbahnen in hellrot oder gelb daherkommen. Puuh…

Unserer Segen hat der W202. Die Grundlage ist robust und auch heute noch sehr verwendbar – die Ersatzteillage ausgezeichnet, die Preise so gering, wie sie nie mehr sein werden.




4 Kommentare

  • Gerd R

    Der W202 ist ein ausgezeichnetes Auto. Wir haben mittlerweile den 4. Die letzten beiden sind Kombis mit dem 200er Diesel. Der erste war ein C180 mit Schaltung – das ist die schlechteste Kombination. Der 280er ist cool, aber im Unterhalt immer noch recht teuer. Allen gemein ist, dass sie komfortabel sind, spottbillig und nie sio schlecht, wie lange Zeit behauptet wurde, waren. Wir denken schon darüber nach, ein oder zwei zu horten… Die sind so billig!!

  • Mathias Zabel

    Ich habe meinen beiden jetzt seit 6 und 4 Jahren – beide mit über 400K auf der Uhr! Ein 250S als T-Modell (könnte größer sein) und eine Limousine als Daily, wenn meine frau die Kinder hat. Limo als 240v6 – super, natürlich mit Automatik.
    Eines der fehelrfreisten Autos, das wir je hatten

  • Stefan

    Ach was? 😉
    Da muß ich nur die Straße runterschauen.
    Ein örtlicher Landwirt hat sich den wohl ziemlich neu gekauft und fährt ihn seitdem. Standesgemäß als 250D-Bauernbenz.
    Man riecht die Milchviehhaltung und es dürften sich inzwischen auch gut 2 Zentner Mutterboden darin angesammelt haben.
    Läuft trotzdem…und läuft und läuft. Kugelsicher das Ding.
    Muß ihm mal erklären, was ein Hipster ist. 😀

  • Oliver Lindner

    Ich habe mir vor zwei Jahren einen C180 T geholt für 900,- mit frischem TÜV mit inzwischen 228tkm. Meine Schwiegermutter hat 1. Hand einen C180 EZ 97 mit gerade mal 55tkm als Nullausstatter.

    Für mich das unfassbarste: Ich muss mich enorm anstrengen um die 173tkm Differenz zwischen den beiden beim Fahren irgendwo zu merken. Der Sitz ist schlechter, aber ansonsten……das scheinen technisch sehr zähe Autos zu sein.

    Ich hab noch einen e36 Compact, mit dem ich immer irgendwie meine, am Vordermann vorbei zu müssen. Aber der Daimler vermittelt eine derartig entspannte Art zu fahren…..das hat schon was. Inzwischen ist er im Fuhrpark auf unverkäuflich eingestuft, wird im Winter aus dem Salz gehalten und Stück für Stück die Fehler(chen) beseitigt.

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