Billige Neuwagen 2017 III/VI: Lada Kalina Kombi – was kann der?

Wenn es um die richtig billigen Autos geht, dann ist Lada in vielen Ländern immer noch eine relevante Anlaufstelle – in Deutschland ist Lada das zunehmend nicht mehr. Zurecht?

Der Lada Kalina in mehrerlei Hinsicht der legitime Nachfolger des klassischen Lada Kombi, der noch auf dem Fiat 124 aus den 60ern basierte und sicherlich noch irgendwo in einem der UDSSR Nachfolgestaaten heimlich gebaut wird – bis 2030 😉
Tatsächlich baut Lada in Russland ja den ehemaligen Dacia Logan MCV für die Leute, die Ladebedarf haben als Lada Largus – der wird jedoch nach Deutschland nicht exportiert.

Eckdaten: Lada Kalina

Auch der Kalina hat schon ein paar Jahre auf dem Buckel – der Kalina ist in einigen Ländern bereits seit 12 Jahren zu kaufen, das Update seit 4 Jahren – wenn auch nicht für russische Verhältnisse, wo trotz Einfluss von Renault immer noch sozialistische Planungszyklen herrschen…

Zwischen dem normalen Modell und dem Kombi des Lada Kalina besteht weniger Unterschied als bei anderen Fahrzeugen dieser Klasse – so ist das Kombiheck am Ende des Tages denn auch nicht besonders groß und zudem durch Radkästen deutlich limitiert. Das ist kein Speditionskombi, wie es der Ur-Lada einmal war

An den wahren Lada kommt er aufgrund seiner Kompaktheit von einem Spalt breit über 4 Metern nicht heran – dennoch ist er zurzeit der einzige Kombi, den man im Lada-Programm kaufen kann – und das bereits ab etwas über 8000€ – aufgrund des stark schwankenden Rubels ist der preis jedoch ein wenig wie an der Börse – mal liegt er bei 7500, dann geht er rauf auf 9000 – schwer auszumachen und schlecht für den Wiederverkauf. In der Klasse spielt sonst gerade noch der Dacia Logan MCV zu haben – für rund 8.000 Euro. Ein Skoda Fabia Kombi kostet schon gute 13.000.

Hinterm Lenkrad: Lada Kalina

Einsteigen in den Lada Kalina gleicht einer Zeitreise der schrägen Art – ein wenig so, als kämen längst totgeglaubte Verwandte zu Besuch. Der Lada Kalina ist irgendwo zwischen den 80er und 90er Jahren angesiedelt – der gesamte Wagen wirkt altbacken, trotz eines signifikanten Facelifts des Innenraums. Lasst uns nicht über Haptik im Sinne der Auto Motor und Sport reden oder so – aber die hier verwendeten Materialien sind wirklich gruselig. Ebenso hässliche wie schlecht. Und auch geruchlich ist der Lada immer noch in den 80ern und schwitzt erkennbar Weichmacher aus. Die machen ihren Job allerdings nicht besonders gut, denn sie kommen ihrem Job nicht nach: Die Oberflächen sind durch ihre Härte kratzempfindlich.

Der Kalina Kombi – seine Hochbeinigkeit macht ihn auf Deutschen Strassen zur Ausnahmeerscheinung, was man aber wirklich mögen kann. Hier musst Du eben keine Angst haben, die irgend einen Spoiler abzufahren

Die Sitzbezüge sind grausig und auch die Sitze als solche taugen trotz Facelift nicht viel. Der Wagen mag billig sein – weit billiger als viele Mitbewerber – aber: Er hat mittlerweile einfach zu viele wirklich gute Mitbewerber, allem voran der etwa preisgleiche Dacia Logan MCV. Der ist größer, hat mehr Laderaum, kostet in etwa das gleiche und ist locker 2 generationen moderner.

Und: SIGNIFIKANT besser verarbeitet – das ist nämlich tatsächlich beim Lada Kalina nicht der Fall. Die Verarbeitung ist in Teilen schauderhaft und schräg – so sehr, dass man kaum glauben kann, in einem Neuwagen zu sitzen. Das gilt im Innenraum ebenso wie unter dem Blech. Immerhin: Die Verschraubung ist halbwegs klug und sichtbar – jeder Depp kann hier noch etwas dran schrauben – wenn auch bei Weitem nicht mehr so, wie das früher bei Lada der Fall war.

Lada Kalina – Quality?

Lada Fahrer bilden eine eingeschworene Gemeinschaft, die allesamt stark emotional reagieren und behaupten, die Wagen seien Zuverlässig und würden alle sonstigen Entbehrungen dadurch kompensieren. Wir wagen das aus verschiedenen Gründen anzuzweifeln, Einerseíts haben wir schon diverse Kalinas und Grantas bewegt – andererseits sprechen alle Statistiken dafür, dass der Lada weit unterdurchschnittlich ist. Garantiversicherer hassen ihn – und die richten sich wirklich strikt und streng unemotional nach Zahlen.

Das ist der eine Faktor. Der andere ist unzweifelhaft der durchschnittliche Lada Besitzer. Schaust Du dir gebrauchte Ladas an, erkennst Du, dass die meisten Lada Fahrer ihre Autos im Grunde hassen und sie einfach nur besitzen, weil es einfach der billigsten und bequemste Weg von A nach B für sie ist.

Lada Kalina innen

Auf den ersten Blick nicht so häßlich – im Detail dann aber durchaus nicht gerade sauber verarbeitet – und die Materialien sind ätzen. Das kann Dacia alles besser – für dasselbe Geld.

Das lässt die Wagen nicht besser werden über die Zeit – und das von einem schlechten Startpunkt kommend.

Immerhin: Der Lada hat ein paar Highlights: Seine große Bodenfreiheit ist eine echte Ausnahme-Erscheinung. Hinzu kommt: Der Wagen ist ungewöhnlich übersichtlich, wie man das heute nur noch selten findet. Ansonsten spricht heute wirklich nicht mehr viel für den Lada Kalina. Der Dacia Logan etwa ist ihm signifikant überlegen und besser verarbeitet – hinzu kommt: Er ist deutlich leiser, zeitgemäßer, verraucht entschieden weniger Sprit und ist auch bei höheren Geschwindigkeiten noch dabei – hier nämlich ist der Lada Kalina ein Totalversager. Oberhalb von 120 KM/H nervt der Lada. Und zwar erheblich.

Lada Kalina: on the road

Man sitzt verhältnismäßig aufrecht und hat dadurch erfreulich viel Platz für die Knie – hier täuscht der erste Eindruck: Der Lada Kalina ist für 4 Erwachsene durchaus geeignet. Leider taugen die Sitze wirklich nicht viel.

Fahrerisch ähnelt der Kalina auch stark der Fahrzeugen der 80er Jahre. Durch seine Hochbeinigkeit (die wir pauschal gar nicht mal schlecht finden), ist er auf Landstrassen und in Autobahnkurven früh am (gefühlten) Limit – da möchte man nicht wirklich schneller fahren. Auf Landstrassen neigt er beim Gas wegnehmen tatsächlich auch zu heute nicht mehr bekannten Lastwechseln – alles in allem diesbezüglich kein angenehmer Geselle, vor allem in beladenem Zustand.

 

In der Stadt hingegen ist er angenehm. Hier kommt seine Kompaktheit zum Tragen, hier nervt der Motor und die Fahrwerksabstimmung nicht – im Gegenteil: Hier macht der Lada Kalina eigentlich einen angenehmen Job – und kann auch ohne Parkpiepser sauber eingeschätzt werden. Das hat was.

Fazit Billigautos.de Am Ende des Tages muss man ganz klar sagen: Für den Lada Kalina spricht zurzeit so gut wie nichts mehr. Lada hat sich über die letzten Jahre nicht weiter entwickelt – und billig allein ist da kein echter Treiber mehr – hier können andere Hersteller mittlerweile deutlich mehr – Für’s gleiche Geld – und obendrein mit geringerem Wertverlust.




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