Der germanische Purist kotzt, der Billigauto-Fahrer zuckt die Schultern – der

Hyundai XG innen

Speziell innen glänzt der Hyundai XG 30 durch verschwenderischen Stil. Freunde von US-Autos müssen diesen Wagen einfach mögen – Germanen können ihn mögen

Hyundai XG30 polarisiert. Aber emotionale Reaktionen hin oder her: der XG 30 und sogar sein Nachfolger XG350 sind derartig billig, dass man an ihnen eigentlich nicht vorbeikommt – und eine Probefahrt sollte man einfach mal wagen.

Bei der nämlich könnte es selbst schlimmen Korea-Verächtern in den Sinn kommen, dass ein Hyundai keine dumme Wahl sein muss. Hyundai unterstützt den potentiellen Käufer sogar mit einer ungewöhnlichen Maßnahme: Der Hyundai ist im Rückspiegel anonym – kein Batch ziert seinen Kühler.

Hinzu kommt: Für 3.000 – 4.000€ bekommt man hier einen Wagen der Baujahre 1999 bis 2004 – manche Golfs aus der Zeit sind teurer.

Zurecht?

Nicht unbedingt. Der Hyundai bietet wahrlich viel fürs Geld. Einmal ist seine Ausstattung absolute komplett: Fensterheber rundum, Automatik, 3 Liter

Nichts am Kühler verrät die Markenherkunft….

Sechszylinder, später sogar 3,5 Liter, fette Ledersessel, Klimaautomatik., and so on and so on.

Dadurch fühlt sich der Wagen von innen schon reichlich kommod an. Der 3 Liter mit 188PS geht schon heftig zur Sache, wird allerdings oben rum unstandesgemäß laut. Fairer Weise muss man jedoch sagen: diese Drehzahlregionen, in denen er laut wird, meidet man mit der Zeit ganz natürlich, da sie einfach nicht zum Gesamtcharakter des Wagens passen.

Ein kleiner Schluckspecht ist er auch – 12- 14 Liter dürfen es schon sein, 10 schafft man nur bei knausriger Fahrt – und einen Diesel oder generell auch nur eine andere Motorisierung hat es in Deutschland für den XG nie gegeben, während es in anderen Ländern auch eine 2.5er Maschine aus dem Hyundai Sonata gab, die graduell sparsamer ist.

Hyundai XG in klassischer Darreichungsform

Dicke Alus sind eher Standard als Ausnahme

Immerhin führt das Angebot der einzigen Motorisierung und einzigen Ausstattung dazu, dass man nichts falsch machen kann: Im XG ist immer das gleiche drin – da muss man nicht auf die Ausstattung schauen oder spezifizieren.

Mit viel Wohlwollen erkennt man hier ein bisschen Bentley

Mit viel Wohlwollen erkennt man hier ein bisschen Bentley

Fahren im Hyundai XG ist objektiv nicht ganz so oberklassig wie in Deutschen Oberklassen, hält aber ansonsten im Bereich Komfort mit. Speziell Automatik und Federung des Hyundai XG sind komfortbetont ausgelegt und laden zum cruisen ein. Der Wagen ist einfach zu bedienen und gibt keine Rätsel auf – ein Wagen für den US-Markt eben. Dennoch lässt er sich auch auf deutschen Landstrassen noch angemessen bewegen.

Leider sieht man viele Hyundais mit „dicken Schluffen“ durch die Gegend fahren – das steht dem Wagen zwar ungewöhnlich gut und nimmt ihm etwas von seiner barocken Form – deutet aber leider häufig auch auf die Prioritäten des Vorbesitzers hin – da wird dann eben gerne mal an den Inspektionskosten gespart. Was im übrigen totaler Unsinn ist: Die Inspektionskosten eines Hyundai XG liegen etwa bei der Hälfte oder einem Drittel einer Deutschen Oberklasselimousine.

Fazit:

In dem Segment gibt es nicht viele ähnlich gute Autos für das Geld. Der Hyundai XG 30 mag kein Image haben – einen zu fahren ist cool.