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wer mehr zahlt, ist selber schuld

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Hersteller-Interview „Warum könnt ihr keine einfachen Autos mehr bauen?“

Nur mal zum Vergleich: Das "Cockpit" kapiert ein Labrador in einer Minute

Es ist schon interessant, dass wir immer wieder Mails bekommen von Leuten, die sagen: „Ich hätte das Geld für ein neues Auto – und ich würde mir auch eins kaufen, wenn Die nur alle nicht so ätzend kompliziert wären, sondern auch mal wieder in profanen Ausstattungen lieferbar wären – ohne den ganzen Tinnef!“

Die kaufen sich dann ganz oft sehr sehr gepflegte Youngtimer, sind aber gleichzeitig nicht recht zufrieden mit dem Sicherheitsstandard, den sie da geboten kriegen.

Für all jene unter Euch, die das auch so sehen, haben wir uns auf den Weg zu den Herstellern gemacht, um einfach mal ein paar Interviews zu diesem Thema zu führen – mit erstaunlichen Ergebnissen.

Fiat Tipo 2016

Das kommt 2016 raus, wenn sich jemand ein einfaches Auto ausdenkt – Streichpotential nach Expertenmeinung: 25-40%

Guten Tag, wir hätten da mal eine Frage

Jetzt kennen wir ja aus unserem Netzwerk, aus unserer Vergangenheit und natürlich auch hier, aus unserem gegenwärtigen Schaffen, eine Menge Leute in der Branche, die uns immer mal wieder hier und da lustige Geschichten erzählen – also gehst Du gewohnheitsmäßig mit der Fragestellung in der frühen Recherche mal auf die zu und plötzlich siehst Du entgleisende Gesichtszüge.

„Du, also ich weiß nicht – ich glaub nicht, dass wir dazu Statements vorbereitet haben.“

„Mit dem Marketing- und Vertriebsleiter? Nein… weiß nicht – denke nicht, dass der dazu etwas sagen wollen wird.“

Bei einer Japanischen Company schaffen wir es zu ihrem Sitz im Hessischen und sind beinahe da, als uns unelegant von einer Assistentin abgesagt wird. Neuer Termin? „Hm… nicht auf Sicht. Ich sag es mal so: Das Thema hat für Herrn Dr. X zurzeit nur geringe Priorität.“

Dacia zeigt, wie es geht, wenn es sein muss. Die verbaute High Tech hat einen geringen Vernetzungsgrad

Dacia zeigt, wie es geht, wenn es sein muss. Die verbaute High Tech hat einen geringen Vernetzungsgrad – die Wohnlichhkeit der 80er Jahre herrscht hier vor

Und plötzlich fühlst Du dich auf schier lächerliche Weise in diese Verschwörungsfilme versetzt, in denen ein kräftiger Herr im Anzug plötzlich sagt „Sie stellen zu viele Fragen!“

Interessant vor allem: In unserer großen Interview-Serie zu Billigautos haben uns angesichts der Dacia-Bedrohung damals alle freundlich die Türen geöffnet und Rede und Antwort gestanden zu Billigauto-Strategien, Fertigung in Billiglohn-Ländern und ähnlichen Themen, die wir als unangenehm eingestuft hatten. Aber wenn es nun um die Frage geht, ob man Autos nicht mit geringerem Hightech-Einsatz billiger herstellen und entsprechen billiger verkaufen könnte, da halten sie alle die Klappe?

Dann eben anders

Gespräche mit Leuten aus der Praxis und Gespräche mit den Beratern der Automotive-Branche, die doch wohl wissen müssen, worum es da geht, oder?

Nur mal zum Vergleich: Das "Cockpit" kapiert ein Labrador in einer Minute

Nur mal zum Vergleich: Das „Cockpit“ kapiert ein Labrador in einer Minute

Die Händler sind ja oftmals offener als alle anderen, hier jedoch durchaus auch erst mal zögerlich. Ein Toyota Händler erzählt uns, dass Toyota lange Zeit einfache Ausstattungen angeboten hat, diese aber nicht im Prospekt hatte. „Unsere Jungs nannten das immer die ‚Handwerker-Ausstattung‘ – da konntest Du die Wagen lange Zeit Ende der 90er Jahre tatsächlich noch mit Fensterkurbeln ordern, einfacheren Sitzmaterialien, solche Sachen. Ging eine Zeit lang noch ganz gut beim Corolla und beim Carina E. Beim Avensis hörte das dann so langsam auf. Unsere Kunden wollen das immer noch und kriegen es dann bei Dacia.“

Ein Volkswagen-Händler erzählt uns sehr offen: „Beim Jetta fragen die Leute oft danach – das sind oft Rentner, die sich noch an andere Zeiten erinnern und manchmal auch einfach zurecht überfordert sind von der ganzen Technik. Die mögen keine elektrischen Parkbremsen und wollen ganz sicher keine lustig bunten Radios mit irgend welchen Apps, in die Du aber keine CD schieben kannst.“ Auf die Frage, was man als Händler mit denen macht, kommt eine interessante Antwort „Die schicken wir zu Skoda und Seat. Wir können die nicht glücklich machen und zu Dacia und Lada sollen sie ja nicht gehen.“

würde Volkswagen einen echten Volkswagen bauen wollen, müsste das herauskommen - 7000 bis 10.000 Euro billiger als der Jetta

würde Volkswagen einen echten Volkswagen bauen wollen, müsste das herauskommen – 7000 bis 10.000 Euro billiger als der Jetta

Tatsächlich hat der Konzern da mit dem Zwillingspaar Skoda Rapid / Seat Leon ein Auto im Programm, das genau diese Kunden wieder abholt, die in den 80er und 90er Jahren den Jetta / Vento gekauft haben. Ein einfaches Familienauto ohne Schnickschnack. Und während ein Jetta bei 22.500€ beginnt, gibt es den Seat Toledo ab 14.500€, der Skoda Rapid fängt bei 15.690€ an – da kann man schon stutzig werden. Fiat bringt in diesem Segment gerade den neue Tipo – ein einfaches Allerweltsauto in dieser Klasse – reduziert auf das Wesentliche für 13.990€ – ur Einführung gar schon für 11.990.

Auch diese Autos bieten reichlich Raum für Reduktion – denn wie uns einer der führenden Berater der Szene erzählt, sind die „Gizmos,“ wie die Berater alle technischen Spielzeuge durchgängig nennen, das, was Autos heute profitabel macht. „Der ganze elektrische Mist kostet nix, geht halbwegs regelmäßig kaputt und wertet ein Auto gefühlt auf. Du könntest den Toledo ohne Übertreibung für 3400€ weniger verkaufen, wir haben es nachgerechnet – aber wie willst Du dem Kunden dann noch Rabatte geben?“

Ziel ist ein Ausstattungsindex von 1,4

Und dann kommt natürlich eine erzieherische Frage dazu „Wenn die Leute ein paar Ausstattungen im Auto haben, nehmen sie auch noch mehr. Wenn Du den Leuten ein KOMPLETT NACKTES Auto verkaufst, dann gibt es tatsächlich Kunden, die das einfach so kaufen. Das war beispielsweise 1979 – 83 ein schlimmes Problem beim Jetta: die Leute kauften am liebsten den Jetta S – also einen Motor größer als die Basis Version, aber eben mit keinerlei Ausstattung! Und die Gewinnspanne an der Ausstattung ist branchenweit 3-5 Mal so hoch wie am Auto selbst. Deshalb sind die Hersteller so scharf auf den Austattungsindex – bei gute Wagen liegt der bei 1,4.“

Das bedeutet: 1,4 mal den Grundpreis. Also – wer einen Wagen kauft, der im Prospekt 30.000 kostet, geht in dem Falle mit einer Rechnung über 42.000 heim. Und die 12.000 machen weit mehr Gewinn als die 30.000. Zu Deutsch: Einfache Autos werfen nicht pauschal weniger Geld ab – sie erwirtschaften weniger Gewinn.

auf der Skoda Homepage gut versteckt: Der Skoda Rapid - das simple Auto für Osteuropa - und dort auch ohne Hightech zu haben - für ganz entschieden weniger Geld

auf der Skoda Homepage gut versteckt: Der Skoda Rapid – das simple Auto für Osteuropa – und dort auch ohne Hightech zu haben – für ganz entschieden weniger Geld

Das wiederum wirft dann bei uns aber die Frage auf, wie denn eigentlich Dacia von seinen geradlinigen einfachen Autos leben kann – geht das denn dann überhaupt.

Hier sagt uns ein anderer Berater „Klar – das ist ein anderes Konzept. Dacia spart konsequent. Nicht an der Qualität, sondern in der Lieferkette und vor allem im Beschränken auf das wesentliche. Eine Werbefigur, ein Werbekonzept für alle Modelle und eben keine 26 Nischenmodelle, sondern eine ganz klare Modellpalette. Außerdem bauen die keine schnellen Autos – das ist ein unglaubliches Einspar-Potential. Was Dir klar sein muss: Wenn Du einen „GTI“ baust, dann hat der dickere Stabilisatoren, eine andere Achse, breitere Räder, andere Bremsen. Damit Du die einbauen kannst, musst du das für die gesamte Großserienproduktion mitdenken und teilweise auch mit bauen. Wenn Du dir also einen 70PS Polo kaufst, zahlst Du den 150PS GTI immer mit.“

Und jetzt rechne das mal auf Modellpaletten wie BMW, Mercedes und Audi hoch mit all ihren Nischenmodellen… Da wird einem schon schnell klar, dass hier niemand so recht Interviews geben mag. Bei Gelegenheit fragen wir gleich mal Dacia, was Renault eigentlich von der Sache hat.

Es gibt jeden Tag neue gute Gründe, keine neuen Autos zu kaufen, oder?



4 Kommentare

  1. Super Bericht.

    Ja sicher gibt’s Autobauer, die einfache Autos bauen, wie zum Beispiel Dacia.

    Dacia gibt’s seit neustem auch mit DAB+ ab Werk.

    Meine Freundin und ich haben je ein Dacia Logan MCV II, der Kombi und sind beide sehr zufrieden damit.

    Gruss aus der Schweiz.

  2. wowire

    Tja, ich denke oft an meinen 2 CV mit Rückwind und Bergrunter schaffte der gut
    und gerne 115 km. Im Winter mit Wärmflasche und vielen Decken, ach das war
    ein Leben, lang, lang ist es her.
    Und wenn er mal nicht anspringen wollte, Zündung an, Lehrlauf und dann
    Kurbeln bis er Ansprang, ach was war das doch schön.
    Und wenn er mal im Schnee stecken blieb, kein Problem 2ter Gang, keine Kupplung
    treten und da er eine Fliehkraftkupplung hatte, sprang er aus dem Schnee, ohne
    das er Abgewürgt wurde, ich sehne mich so nach ihm.
    Ihr wowire

  3. Wolfgang Pieske

    Tja, ich denke oft an meinen 2 CV mit Rückwind und Bergrunter schaffte der gut
    und gerne 115 km. Im Winter mit Wärmflasche und vielen Decken, ach das war
    ein Leben, lang, lang ist es her.
    Und wenn er mal nicht anspringen wollte, Zündung an, Lehrlauf und dann
    Kurbeln bis er Ansprang, ach was war das doch schön.
    Und wenn er mal im Schnee stecken blieb, kein Problem 2ter Gang, keine Kupplung
    treten und da er eine Fliehkraftkupplung hatte, sprang er aus dem Schnee, ohne
    das er Abgewürgt wurde, ich sehne mich so nach ihm.

  4. Toni

    Leute, ihr sprecht mir so aus der Seele! Rette mich seit Jahrzehnten mit alten BMWs, einen hatte ich zwanzig Jahre, den nächsten acht, alle machten Spaß und waren reparaturmäßig berechenbar, Werkstatt auf dem Land, per Du mit dortigem TÜV – ja, es gibt noch das Paradies des Puren.

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