Everlasting? B4: Der letzte Audi 80

Der letzte Audi 100 gilt zu Recht als einer der – wenn nicht der robusteste Wagen, den man lange Zeit für Geld kaufen konnte. Mitte der 90er war Schluß mit dem, bis 1997 konnte man ihn noch als A6 kaufen – und diese Wagen wurden permanent von Kilometerfressern gefahren.

Audi 80 B4

Muss nicht immer wunderschön sein, kann aber was

Deutlich besser erging es da dem Audi 80, der bis 1994 gebaut wurde. Auf dem Papier ist der Wagen also sicherlich schon ein Youngtimer – aber er fühlt sich beileibe nicht so an – im Gegenteil: Beim Audi 80 treffen eine immer noch zeitgemäße Karosserie, zeitgemäßes Fahrverhalten und weniger brutale Laufleistungen auf Preise, die zurzeit sicherlich ihren Tiefststand erreicht haben.

Audi 80, vom heute spießig klingenden Namen abgesehen, wofür steht der?

Einerseits steht der einmal für Verarbeitungsqualität, die damals noch nicht das visuelle und haptischen Finish des A4 erreichte, das faktische Qualitätsniveau jedoch erreichte der Audi 80 sehr wohl. Hinzu kommt die vollverzinkte Karosserie, die auch nach Jahren an salzige feuchten Orten noch sehr ansehnlich ist – nur gröbere Stöße gegen die Karosserie kommen gegen diese Verzinkung an – da tut es leider manchmal schon ein Parkrempler, was in den ersten Baujahren zunächst so nicht bekannt war und dann im Gebrauchtwagenhandel oft für Ärger gesorgt hat. Gefahr-Zonen: Alles zwischen hinterer Tür und Radlauf – und wenn es da rostet, geht es oft unbemerkt in Form von Feuchtigkeit in den Kofferraum über – den Kofferraum muss man sich also genau anschauen – er ist ein Indikator für spektakuläre Spätschäden. Empfindlich sind ausserdem die Tragegelenke und natürlich die Manschetten der Antriebswellen, wie könnte es auch anders sein.

Audi 80 B4 hinten

hinten durchaus komfortabel – wobei die Gürtellinie etwas hoch ist – für Hintensitzende fühlt sich das oft komisch an

Der Rest des Audi ist jedoch ungemein robust – und ähnlich wie der Golf 2 auch heute noch ein attraktives Auto – nicht einmal im optischen Sinne, wo man den Audi mit seiner doch sehr aerodynamisch betonten Form sicherlich irgendwie mögen muss. Diese muss man vor allem auch im Innenraum mögen, wo die A-Säule bei der ersten Fahrt immer ein wenig so wirkt, als wollte sie dich bedrohen – sie neigt sich doch arg in den Fahrgastraum hinein, um ein kleines, aerodynamisch richtiges Dach zu erreichen.

Blöd ebenso: Der Kofferraum ist nicht nur nicht der größte – durch die kleine Klappe ist er auch nicht besonders gut zu beladen. Komplexere Kinderwagen etwa, speziell solche mit großen Rädern, können hier schon mal ein Problem werden – selbst, wenn vom Volumen her betrachtet 2 davon in den Kofferraum passen würden, bekommt man sie oft nicht durch die schmale Ladeluke gepresst.

Die „Luke“ – die flach abfallende Heckscheibe bedingte Kompromisse

Dennoch: Der Audi 80 ist auch heute noch ein guter Alltagsbegleiter. Seine Verarbeitung war in Summe tadellos und hat die Zeit in mehrfacher Hinsicht überdauert. Wer heute für 1500-2000 Euro einen solchen Wagen ergattert, der kann einen Freund fürs Leben finden. Die Motoren sind breitflächig verteilt – in Summe ist vermutlich der 2 Liter mit Klima-Anlage die beste Wahl für den Audi – der ist im Übrigen auch in der Versicherung nicht sinnlos teuer – der Audi wird auch heute noch von durchschnittlich artigen Menschen gefahren, was die Tarife klein hält – die Schadenfrequenzen halten sich beim alten Audi 80 in erfreulichen Grenzen – und ein typischer Youngtimer der Hipster-Generation ist er auch nicht geworden.

macht eigentlich immer noch was her

Ausnahme: Die Quattros. Bei denen langen die Versicherungen – wenn auch nicht alle – teilweise recht heftig zu. Die Quattros sind zwar generell toll, gelten aber unter Fachleuten dennoch als die schlechteren Autos, erst recht als die schlechteren Billigautos. Die Fahrleistungen der Wagen sind normalerweise signifikant höher, es wird bei Wind und Wetter gefahren – und die höheren zu erwatenden Preise locken auch betrugsfreudiges Volk an. Wir haben einige Quattros gesehen, deren Tacho-Stände wir schon aus der Ferne nicht geglaubt hätten…

Ebensowenig lohnend: Die Aufpreise, die heute immer noch für die Diesel aufgerufen worden, teilweise frühe TDIs – die haben Dampf und verbrauchen wenig – aber die Benziner lassen sich sparsam fahren und sind ebenso billiger in der Anschaffung wie darüber hinaus deutlich günstiger zu versichern. Viele Benziner erreichen weit über 300.000 Kilometer, wie man früher gerne exklusiv den Dieseln nachgesagt hat.

Billigautos.de-Fazit: Unseren Segen hat der Audi 80 auch heute noch – zeitgemäßes Fahrwerk, enorme Steher-Qualitäten, sauber und robust gefertigt, oft liebevoll gepflegt. Gute Audi 80 der frühen Neunziger sind ihr Geld wert.



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