Die Granadas der Gegenwart: Chrysler 300M

Cab Forward Design – muss man mögen; ist aber irgendwie auch ein bisserl wie im Hochhaus wohnen: Von drinnen siehst Du es ja nicht

Erinnert Ihr Euch noch? Der Ford Granada – das war ein Auto. Der letzte Vertreter seiner Art: Einfach ein großer Wagen – viel Raum, ausreichend Leistung, aber eben keine Premium-Allüren.
Das Konzept ist heute annähernd ausgestorben – wenn es nicht bald mal die neuen Billigmarken verzweifelt beleben – wer heute einen Wagen in Oberklasseformat oder mindestens E-Klasse-Level kauft, der kauft ihn bei den Premium-Marken – und muss dafür Summen ausgeben, mit denen man vor nicht allzu langer Zeit noch Häuser erwerben konnte. Die Brot und Butter-Hersteller haben sich aus dieser Klasse zurückgezogen und den Markt den Luxus-Herstellern überlassen, deren Autos eigentlich immer eine Klasse zu klein und zu eng sind, weshalb man eigentlich sogar noch mehr Geld für das nächstgrößere Modell ausgeben muss – ein Teufelskreis.
Gibt es sie also nicht mehr, die Granadas? Große Autos zum angemessenen Preis?
Doch… und wir stellen sie vor.

Die definitive Schokoladenseite des Chrysler 300M – das ist schon wirklich gehoben, da darf man sich vom Preis nicht eines anderen belehren lassen

Der Chrysler 300M war auch aus diesem hause wohl einer der letzten dieser Art. Der Wagen ist GROOSSS nicht nur, weil er aus den USA kommt. Und dennoch ist der Wagen gebraucht regelrecht geschenkt zu bekommen. Leder, V-Motor und 3500 Kubik sind hier der Standard, unter 2,7 Liter geht nichts, selbstverständlich auch Klima, Fensterheber an jeder Ecke und alle anderen erdenklichen Annehmlichkeiten, die man in einem Billigauto nicht immer erwarten kann. Ein billiger Chrysler 300M kann aus verschiedenen Gründen eine gute Granada-Wahl sein.

Grundsätzlich einmal ist der Wagen recht routiniert gefertigt, wenn auch nicht für die Augen Germanischer Spaltmaßfetischisten – hier ist schon mal eine Abdeckung schief eingepasst und der Kofferraumteppich laienhaft verklebt.

So weit, so schräg.

Der Rest jedoch ist sehr amerikanisch:solide Einheitsware, verlässlich für ein paar Hundertausend Meilen – vor allem dann, wenn der Wagen in regelmäßigem Tempo geradeaus gefahren wird. US-Typisch ist er dann in seinem Element, das ist seine Parade-Disziplin, das kann er. Da sinkt dann auch der Verbrauch auf ein vernünftiges Maß, was man vom Verbrauch in der Stadt nun wahrlich nicht behaupten kann. Hier ist er kein Granada – hier führt er das Konzept beinahe ad absurdum, denn 15 Liter gehen durch, wenn es sein muss

Mal ehrlich: wo bekommt man diese Menge Zylinder für das Geld??

Und da fragt man sich dann wirklich: Was soll man mit 252PS, wenn man von denen nur 100PS benutzen kann, ohne an der Tankstelle arm zu werden?

Sehr Schwankend ist auch die Einstufung bei der Versicherung, wie bei den meisten US-Fahrzeugen – hier ist Vergleichen doppelt Pflicht. Aber selbst dann gerät der Chrysler 300M als echtes Billigauto ein wenig an seine grenzen – ebenso, wenn sich das Getriebe zu Wort meldet, dessen Ersatz obszön teuer ist.

Entschädigen kann da wirklich nur die Marktlage: Es gibt Exemplare des Chrylser 300m um 1500€ für frischem Tüv – da kann man nix sagen. Dennoch ist das Besser hier mal wieder der Feind des Mittelmäßigen: Es gibt bessere Granadas – und die stellen wir auch noch vor in den kommenden Tage.

Aber so viel Flair wie der fette bullige 300M hat keiner von ihnen. Stil ist eben nicht das Ende des Besens.



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