Die ganz Krassen: Range Rover für 3.000 Euro – was geht?

Wir mögen den alten Range Rover ja aus verschiedenen Gründen. Einmal ist er eines der komfortabelsten Fahrzeuge, das man auf und abseits der Strasse bewegen kann – und das gilt für alle Generationen des Range Rover seit über 40 Jahren – und wir hatten sie über die Jahre alle.

Warum? Weil man mit ihnen so schön viel Geld verdienen kann. Aber dazu später.

Große Autos für 3000€ zu kaufen, ist grundlegend riskant, britische Autos für 3000 Euro sind immer riskant; Große Geländewagen sind unglaublich riskant – ein großer britischer Geländewagen muss also schon unter statistischen Gesichtspunkten der reinste Selbstmord sein.

Ist er auch.

Range Rover – Die Marktlage

Range Rover

Glaub nur bloß nicht, dass Du irgend etwas besser weisst: Gut aussehen ist eine Qualität der Briten – aber hier ist immer irgendwo was dran

Für 3-4000€ steht Dir im Falle des Range Rover so ziemlich die gesamte Historie offen, was wirklich selten ist. Beim Range entscheidet der Zustand eher über den Preis in diesen Regionen, als etwa Baujahr oder Ausstattung. Gut erhaltene Exemplare aus frühen Jahren sind ja bereits gesuchte Youngtimer und werden wieder richtig teuer, während die frühen BMW Jahrgänge zur Zeit preislich am Ende sind. Merken.

Range Rover Rost

Typisch. Und hier muss man die Entscheidung treffen: So lassen oder sündhaft reparieren…? Buch schon mal ein Riga-Ticket…

Grundlegend muss eins klar sein: Es gibt cleane Exemplare des Range, die gut aussehen und die Probefahrt über einen guten Eindruck machen – aber für Geld bekommst Du nur Modelle, an denen etwas dran ist – alles andere sind Stammtischlegenden.

Der Range Rover ist komplex, schwer, wird beansprucht, ist nicht durchgängig klug konstruiert und kostet neu einen dicken Batzen Geld – wie also sollte das spurlos runter bis 4.000 gehen? Ganz einfach: geht es nicht – amRange Rover ist immer irgend etwas dran – aber eben in unterschiedlichen Schwierigkeitsgraden.

Mängel-listig

Die Zahl der möglichen Fehler ist im Prinzip unüberschaubar und variiert von Generation zu Generation. Allen gemein sind die unterdimensionierten Getriebe. Die funktionieren für den normalen Einsatz gut, bei den Drehmomentstarken Motoren schon nicht mehr so gut und im Anhängerbetrieb geben sie nach 120 – 150.000 den Geist auf. Ersatz? Sündhaft teuer. Dasselbe gilt für die überforderten Bremsanlagen: Die haben einfach permanent mit mehr als 2 Tonnen zu kämpfen und scheitern daran. Ersatz? Scheiben und Klötze liegen bei 400 Euro.

Geil, oder?

Die Achsgelenke können nichts und sind verhältnismäßig umständlich verbaut, verglichen mit japanischen Geländewagen, das Luftfahrwerk ist einer der schlimmsten Achillesfersen der gesamten Konstruktion – und hier kommen nicht nur saftige Ersatzteilpreise auf Dich zu – die Fehlersuche ist meist aufwändiger als alles andere zusammen. Hier gibt es immer eine ganz schlimme Gewissensfrage: Gehe ich zum sauteuren Landy Händler und hoffe, der findet es schneller? Ist erfahrungsgemäß die bessere Entscheidung – jeder ATU muss hier die Segel streichen und pfuscht dann oder sucht, bis es noch teurer ist als beim Fachmann.

Die Lenkung, speziell mit verstellbarem Lenkrad, ist ein Gräuel und schlimm unterdimensioniert. Kleine Stützteile aus Kunststoff setzen sich hier gerne mal ab und dann schnell quer und produzieren katastrophal anmutende Schäden – auch hier: Da kommen nur erfahrene Mechaniker ausreichend schnell drauf.

Was also spricht für den Range?

Solange er fährt, ist er – durchgängig in allen Generationen – ein Traumwagen der besonderen Art und erst recht, wenn man ihn als Winterauto bewegt: Die Traktion ist phänomenal und die Gelände-Qualitäten sind über die Jahre auch nicht verweichlicht worden. Der Wagen kann was, hier hatten die Briten so vorgelegt 1970, dass sie fortan einen Ruf zu verteidigen hatten.

Technisch beherrschbar und meist das ehrlichere Auto. Viele Restaurateure kennen sich mit dem gut aus – auch in entlegeneren Ländern

Und dennoch: Der Wagen ist luxuriös und fühlt sich nie an wie ein Nutzfahrzeug oder so. Obwohl die Range Rovers selten unter 15 Liter gefahren werden können und mal eher 20-25 angesetzt werden sollen, vor allem wenn der feiste 4,4 Liter von BMW verbaut ist und man den auch nutzt: Der Wagen entschädigt für vieles. Er ist einfach fett und satt und das rundherum. Auch die Versicherungsprämien sind substanziell – wer geringe Schadensfreiheitsklassen hat, braucht es erst gar nicht zu versuchen…Finanziell kann das also abenteuerlich werden.

Range Rover Braun

…und er macht doch einfach was her, oder?

Hinzu kommt: Die Preiselastizität des Range ist gigantisch. Absolut vergleichbare Modelle erzielen hier 4.000€, dort 7000€. Restaurierte Modelle früher Generationen, allem voran die erste Generation Viertürer, erzielen längst Klassiker-Preise auf mehr als gehobenem Niveau – sind aber auf der anderen Seite in Belgien und Holland unrestauriert für unter 2.000€ zu bekommen. Und da kommt dann schon eine Menge Raum in die Sache. Wir haben vor 2 Jahren einen in Riga restaurieren lassen. Erworben für 2800, 3 Monate durch den Winter gefahren, dann für 2700 restauriert und für 8.000 verkauft – diese Wagen werfen echt was ab. Es gibt auch gute Restauratur-Schmieden im Süden und Südwesten von Großbritannien, die grundlegend etwas teurer sind, dafür aber oft Zugriff auf günstigere Ersatzteile haben – kommt also ein bisschen drauf an, was man braucht.

Unser Lieblings-Range war ein V8 Vogue in Traumausstattung von 2002. Den haben wir in einer unseriösen Wohngegend von Hamburg erworben, haben ihn gewaschen und gesaugt und 2 Tage später mit 1800€ Gewinn verkauft – wie gesagt: Hohe Preiselastizität 🙂

2 Kommentare

  • petrolhead

    Ich weiss nicht, wie ihr auf 700EUR für die Bremse am RR 38a kommt. Die VA ist prinzipiell dieselbe wie im RR Classic, im Discovery und im Defender. Etwas überarbeitet, zugegeben. Ein Paar Bremsscheiben kosten knappe 38GBP, die Klötze dazu 21GBP. Markenware von Lockheed, wohlgemerkt, den Aftermarket-Kram von Britpart gibts noch billiger. Dazu kommen dann noch rund fünf Pfund Porto und die zwei Bier, die man neben dem Bremsentausch vernichtet.

    • billigautos

      In der Tat handelt es sich da um einen (jetzt korrigierten) Fehler. 400 wäre korrekt gewesen. Nach schlechten Erfahrungen mit diversen verglasenden Bremsen war das in dem Falle ein Satz von ATE – der geht irgendwo zwischen 280 und 420 über den Tisch und hat sich immer wieder als robust erwiesen. Bei 700 liegt man eher im Bereich „Beim Händler machen lassen“

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