Einer der wichtigsten Grundsätze beim Fahren billiger Autos ist ja der, dass man sein Herz nicht an eine Marke nageln sollte – das macht allenfalls blind für bessere Möglichkeiten – und das hat ja nun wirklich noch nie geholfen.

Lexus LS 400

Hier ist nicht alles Gold, was glänzt? Allerdings – denn hier glänzt wirklich gar nichts. Oberklasse mit Patina: Lexus LS 400

Nachdem wir uns ja nun unerwartet heftig in unseren Phaeton verliebt hatten, ging es uns fast ein bisschen so – und wir haben uns auf die Suche nach einem neuen Phaeton gemacht.
Aber hey – wer kennt das nicht: Kurz hinter der niederländischen Grenze bleibst Du an einer Ampel stehen und da ist dieser Schotterplatz und na ja – hey! Was ist das denn?
Da stehen doch tatsächlich 2 Dickschiffe vom Typ Lexus LS herum – jeder für nur 2.000€! Da ist Dir erst mal fast egal, was da dran sein soll, einer von denen wird schon irgendwie fahren, oder? Lenkrad rumgerissen, bisserl durch den Gegenverkehr und 2 durchgezogene Linien später stehst Du auf einem Hof.
Der Händler kann,wie alle guten Niederländer ausnehmend gutes Verhandlungsdeutsch – und klar: auch hier stellst Du dann schnell fest, dass solche Autos immer eine irgendwie latent dubiose Geschichte haben. Vor allem ist er auch gar nicht der Verkäufer, sondern hat den Wagen nur für einen Bekannten auf den Hof gestellt, wegen der guten Lage zu Strasse und so… Andere Länder, gleiche Sitten 😉
So what, erst mal schauen. Der Lexus LS ist in all seinen Erscheinungsformen eines dieser unserer Traumautos gewesen, dass es in Deutschland nie so recht zu was gebracht hat – einer unserer heimlichen Favoriten und mittlerweile sogar schon ein veritabler Youngtimer.

Lexus LS

Das Heck ist so fett und satt – auch noch 25 Jahre nach Erscheinen des Lexus LS. Die Felgen sind mal eher Baumarkt…

Und irgendwie hatten wir damals immer gehofft, dass er schnell billig werden würde – wurde er dann aber doch nicht. Image hin oder her: Dafür war er einfach zu sehr Toyota und bald schon hatte sich herumgesprochen, dass man mit diesem Achtender auch mal 400.000 Kilometer fahren kann, ohne, dass groß was dran sein muss, die Automatik der ersten Generation vielleicht mal ausgenommen.
Also: Besitzer angerufen, 10 Minuten ums Auto geschlichen, Besitzer eingetroffen. Dann ein erster Verhandlungsschock: Der Preis von 2.000€ gilt nicht für einen der beiden Wagen – er gilt für beide im Paket!

Lexus LS tacho

Get one for free – bei dem Kilometerstand… 😉

Natürlich haben solche Autos Macken – und natürlich musst Du hier was dran machen – und: Natürlich geht da noch was beim Preis – selbst bei Niederländern – und die sind genetisch bedingt Seefahrer und verhandeln dich stets in den Boden – mit einem niederländischen Lächeln! 🙂
Am Ende schaffen wir mit dem einen eine Probefahrt, mit dem Zweiten ein paar Start-Geräusche – und ja: Wir nehmen sie beide im Paket – für schattenhafte 1.600€
Und die Liste der Mängel?
Die ist lang – aber davon soll eine andere Geschichte erzählen, wenn wir uns das Öl von den Fingern gewischt haben…