VW Polo Rost

Der „heilige“ Kleinwagen: VW Polo

Wir haben ja vor ein paar Jahren mal einen Blick auf die besten Anfänger-Autos geworfen. Und wenn dieses Thema irgendwo hoch kommt, dann scheinen alle Väter, die ihren Töchtern etwas Gutes tun wollen, immer nur eine standard-Reaktion drauf zu haben.

„Wir kaufen ihr einfach einen VW Polo“

Da könnten wir regelmäßig schreien… Und das schon seit Jahren. Ähnlich wie bei Golf und Passat oder bei dreisten Diesel-Skandalen verhält es sich mit Volkswagen irgendwie ähnlich wie mit Bayern München oder der CDU – am Ende gewinnen sie irgendwie…

VW Polo Rost

Kann nix besser als der Rest – im Bereich Rost trifft für den Polo sogar eher das Gegenteil zu – but call it Hirnwäsche if you like

Und oftmals wieder besseren Wissens.

Schauen wir mal zurück und spannen den großen Bogen: Schon der Polo aus den 70er Jahren war gebraucht teils sündhaft teuer. Ein 10 Jahre alter Polo kostete 1986, als es die ersten 10 Jahre alten Polos und Fiestas gab, rund doppelt soviel wie ein Fiesta. Der Fiesta war nicht nur günstiger zu haben, er hatte auch einen bedeutend großzügiger gestalteten Innenraum, bot coolere Motorisierungen bis 84PS und die damals noch rudimentär erhobenen Daten zu Pannenhäufigkeit und Tüv-Mängeln ließen den Fiesta besser aussehen, als den Polo – vor allem, wenn man dann noch beim Kauf eines 10 Jahre alten Fiestas 1500 Mark sparte, die man für potentielle Reparaturen oder notfalls einen Ersatz-Fiesta übrig hatte.

Call ist Hirnwäsche

Bis heute hat sich daran nur ganz wenig geändert – und die Autozeitschriften spielen da seit Jahren in vorderster Front mit. In einem populären Gebrauchtwagenratgeber von 2016, bei dem der Polo bei 13 von 45 Kategorien schlechter abschneidet als der Fiesta, lautet das Fazit „Der Polo ist das konzeptionell bessere Auto und sehr ausgewogen“

Fakten- und Mengen-basiert

Der Fiesta ist neben den Siegen in Kategorien wie Bremsen, Rost, Umwelt, Verbrauch und ähnlichen im Schnitt 12% billiger und der Gebrauchtwagen-Ratgeber führt aus: „Der Fiesta ist zudem stets besser ausgestattet als ein vergleichbarer VW Polo“. Tatsächlich hat sich auch der größte Gebrauchtwagenreport von Warranty Direct erst in den letzten 3 Jahren graduell zugunsten des Polos (Bis 4,5 Jahren Alter) verbessert – zuvor lagen hier besser als der Polo: Der Opel Corsa, Der Ford Fiesta und nahezu alle Japaner, die die Klasse kannte.

Letztere haben sich leider in den vergangenen Jahren schwach aber kontinuierlich verschlechtert, was nicht an der mangelnden Zuverlässigkeit liegt, sondern an den gestiegenen Ersatzteil-Preisen der Japaner in GB.

VW Polo 6N

Der Polo ist weder billig noch ist er der Musterknabe, für den ihn viele halten. Wer den Wagen dann noch zum VW Händler zur Inspektion bringt, für den ist auch das Thema „günstig im Unterhalt“ komplett durch

Aber auch hier ist eine Erkenntnis stabil: Der Polo spart nach neuesten Berechnungen 206 Pfund an Reparaturen über die berechnete Vergleichs-Haltedauer, kostet aber vorneweg erst einmal 840 Pfund mehr…

Was kann der Polo?

Tatsächlich muss man in aller Fairness sagen, dass der Polo in den letzten 40 Jahren immer mal wieder die Nase vorn hatte, wenn es darum ging, ein einigermaßen erwachsenes Auto in dieser Klasse zu fahren – zumindest dann, wenn man auf die Vordersitze schaut. Hinten war er in den ersten Jahren zuerst total mies, dann mies und dann  einigermaßen mies – gemessen vor allem am Fiesta.

Der 95er Polo war konzeptionell tatsächlich ein riesen Meilenstein. Der lag plötzlich vergleichsweise satt auf der Strasse, hatte einen anständigen Kofferraum, war leiser als die Autos seiner Klasse – der war schon ziemlich nahe am Golf 3 dran.

Das ist noch eine zivile Version des Rosts am Golf 3 – da gibt es welche, bei denen halbe Kotflügel verschwunden sind – und das ist nur der sichtbare Bereich

Mit dem teilt er sich seitdem aber auch die wichtigsten Mängel und Macken wie die anfälligen Antriebswellen, den Rost und ähnlichen Schwachsinn, den VW tatsächlich teilweise seit 40 Jahren nicht in den Griff bekommen hat, was an sich schon für gelebte Verbraucher-Ignoranz bei den Wolfsburgern spricht – aber das ist ja bei einer Firma, die als Erfinder der Reparatur-Sets gilt, also der sinnlosen Zusammenfassung von Ersatzteilen zu großen (teureren) Gruppen bei älteren Modellen, irgendwie auch kein wirkliches Wunder.

In unserer Rangliste von anständigen billigen Kleinwagen landet der Polo seit 20 Jahren nie besser als auf Rang 5, einstimmig mit allen Tüv-Prüfern und Kfz-Mechanikern, die wir kennen.

Vor ihm liegen da stets zurecht

  • Der Ford Fiesta für seine Preiswürdigkeit, die geringeren Unterhalts- und Anschaffungskosten und technische Zähigkeit sowie Reparaturfreundlichkeit
  • Der Toyota Yaris, dessen Sparsamkeit und Zuverlässlichkeit seit Jahren das Maß der Dinge in dieser Klasse sind
  • Der Opel Corsa, der ein moralisches Schattendasein führt, aber in seiner Haltbarkeit und Ersatzteillage ebenso zu beeindrucken vermag wie erst Recht mit seinem zu unrecht niedrigen gebraucht-Preis im unteren Preis-Segment
  • Der Nissan Micra, der nie hübsch war, nie auffällig – aber immer gut und unglaublich verlässlich – und obendrein stets Streber als Vorbesitzer hat.

Einen richtig guten Grund, blind zu einem VW Polo zu greifen, gibt es also nicht. Druckt das aus und tragt es bei Euch – man braucht das öfter als man denkt 😉