Der billigste Allrader – wie cool ist der?

Ich war noch nicht im Kindergarten, als der Lada Niva zur Welt kam – jetzt bin ich 40 – den Lada Niva bauen sie immer noch – und er scheint kaum mehr zu kosten als ein Auto in den 70ern kostete, auch, wenn er mittlerweile aus bizarren Gründen seinen Namen gewechselt hat. Aber den ignorieren wir hier mal – der Lada Niva ist immer noch der Lada Niva, das Original, Made in Russia, wie eine Zeit lang stolz auf der Heckscheibe zu lesen war, auch wenn er unseretwegen nun auch Taiga genannt werden will.

Lada Niva

Stark gebrauchte Modelle unterscheiden sich nur im Detail vom aktuellen Modell – hier spielt der Sozialismus seine wenigen Stärken voll aus 😉 Außerdem lassen sich die meisten teile heute noch verwenden

Das Allrader Magazin machte den Lada Niva kürzlich gar als heimlichen Pornokönig der Szene aus, worüber sicher sicherlich streiten lässt. Nicht streiten lässt sich darüber, dass der Wagen immer noch die Nummer 1 der billigen Allrader ist und damit um diese Jahreszeit immer wieder Interesse auf sich zieht, ob nun neu oder gebraucht.
Zurzeit steht der Lada tatsächlich frisch von der Rampe mit 9.990 in der Liste des Deutschen Russen-Importeurs. Unschlagbar günstig – der nächstbilligste Allrader kostet 50% mehr…

Lada Taiga: Was bekommst Du für 9.990€?

Viel geändert hat sich beim Lada Taiga / Niva tatsächlich nicht. Du bekommst einen kurzen Geländewagen. Wenn Du ein paar Mark drauf legst, mittlerweile sogar mit einer gescheiten Hohlraumversiegelung und Unterbodenschutz und ähnlichen Dingen, die man früher nur bei ein paar seriösen Händlern und Nachrüstern bekam. Aber selbst für 11.500€ ist der Lada 4×4 dann als Taiga immer noch konkurrenzlos günstig.

gute Gebrauchte kommen hier und da schon mal für 2000 bis 3000€ - nicht von Förstern kaufen!

gute Gebrauchte kommen hier und da schon mal für 2000 bis 3000€ – nicht von Förstern kaufen!

Der Wagen geht knorrig zur Sache – daran hat sich nicht viel geändert. Nur die sitze sind etwas besser geworden über die vergangenen Jahre, sehen nicht mehr so robust und schmutzabweisend aus, sind es aber durchaus noch. Die feste Kopstütze würde normalerweise die Sicht nach schräg hinten einschränken – aufgrund der brutalen Kürze des Wagen ist das aber nicht der Fall.

Wer einen großen Hund mitnehmen will, der macht besser gleich einen Zweisitzer aus dem Lada, wie es die meisten Förster aus Prinzip ganzjährig tun – und das einigermaßen zurecht. Der Kofferraum taugt nicht viel, ist aber immerhin sehr robust ausgekleidet – das können sie, die Russen.

Fahren mit dem Lada 4×4

Alles, was du hier bekommst, ist grob und robust. Hier schmeckt man förmlich billige Weichmacher im Kunststoff. Das Lenkrad hat einen Geruch, der sich wochenlang in die Hände eingerbt – das muss man schon irgendwie mögen – aber dennoch macht es einem der Lada leicht, ihn zu leben. Er ist so offensichtlich grob, so ehrlich und echt, wie heute sonst nur noch Youngtimer sein können – und selbst von denen sind schon einige deutlich moderner als der Russe, was den Wagen irgendwie sehr herzlich und liebenswürdig macht.

Wurde in Deutschland nie offiziell angeboten, gibt es aber hier und da für 12-13.000 Euro neu: Lada Niva lang

Wurde in Deutschland nie offiziell angeboten, gibt es aber hier und da für 12-13.000 Euro neu: Lada Niva lang

Darüber hinaus kann einem mit dem Wagen im Gelände immer noch niemand etwas vormachen – hier spielen der vollpermanente Allradantrieb, die Kürze des Radstandes und die eben noch vollkommen ernsthafte Bodenfreiheit alle erdenklichen Stärken aus – da kommt vor allem kein modernes verspoilertes SUV mit – wenn es auf den Waldweg geht, ist der Niva / 4×4 / Taiga oder wie immer die Russen ihren Wagen heute genannt wissen wollen, der König. Wo er hinkommt, kommen nur noch Suzuki Jeeps und kurze LandRover Defender hin – alle anderen sind zu schwer oder aus anderen Gründen kategorisch ungeeignet. Das ist schon ziemlich cool.

Was taugt so ein Lada?

Qualitativ gilt der Russe als mässig, hat sich aber über die letzten Jahre etwas gebessert – mit Ausnahme der Untersetzung, die unschaltbar ist und dem Getriebe, was gar nicht grundlegend schlecht ist, aber etwas Liebe braucht. Tatsächlich ist dort, wo der Lada statistisch erfasst wird, die Pannenhäufigkeit nicht hoch. Es sind wirklich Getriebe und Fahrwerk, die beispielsweise auch dem TÜV und ähnlichen Institutionen immer wieder auffallen, was aber vermutlich auch in starkem Zusammenhang mit der Nutzung des Wagens steht, der eben nicht nur auf topfebenen Strassen in der Kölner Innenstadt betrieben wird, wie ein VW Polo.

Wir hatten über die Jahre immer mal wieder einen Lada über den Winter – und wenn man den Niva eine Zeit gefahren hat, dann fragt man sich schon mal ernsthaft, wie die Russen es eigentlich schaffen, ihre anderen Wagen qualitativ so mitleiderregend zu bauen – der Lada Niva jedenfalls ist alles in allem wirklich kein schlechtes Auto – und schon mal gar nicht, wenn man ihn an seinem Preis misst.

Lada Niva im Schnee

Niva im Schnee: einene bessren findste nicht

Was ihm in Deutschland schadet, ist die Tatsache, dass er so billig ist und deshalb oft weggeworfen wird, anstatt ihn zu reparieren, weil Deutsche das oft für wirtschaftlich unklug halten.

Wer auf Rostvorsorge und regelmäßige Wechseln der Flüssigkeiten, allem voran beim Getriebeöl, denkt, der bekommt hier einen Wagen, an dem nicht viel kaputt geht – was soll an dem schon auch dran sein, was kaputt gehen sollte? Der Niva ist der letzte Neuwagen ohne elektrische Fensterheber 🙂

Wichtig hier auch: Lada unterstützt Schrauber mit Inspektionspaketen auf www.lada24.de – man würde sich wünschen, dass mehr Hersteller so cool wären.


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