Daewoo Matiz – was kann die Seifenkiste für eine Handvoll Mäuse?

Der Daewoo Matiz ist eines der wenigen Fahrzeuge, bei denen selbst gut gepflegte Exemplare keine Kaufempfehlung bekommen. Wie so viele richtig kleine Wagen ist er in mehrerlei Hinsicht kein gutes Auto – ähnlich wie sein Weggefährte Ford Ka etwa.

Einerseits ist der Wagen so schmal, dass sich normal gebaute Erwachsene schon unwohl fühlen.

Motor: Vorhanden. Der Dreizylinder klingt lustiger und fährt besser – wobei „Fahren“ hier an die Grenze seiner Begrifflichkeit kommt

Unsachliches, aber wichtiges Argument: das sieht auch total lächerlich aus… Mal ehrlich: mit so einer Karre willst du doch nicht gesehen werden, oder?

Und auch ohne Physik-Studium ahnt man es: ein Auto, was so schmal ist, steht auch auf einer sehr schmalen Spur – und so fährt sich der Matiz dann eben auch. Auf den Punkt gebracht: Alles, was nicht hat geradeaus geht, ist mit dem Daewoo Matiz einfach Mist.

Das war auch schon so, als der Wagen noch neu war – und das eigentlich faszinierende am Matiz ist somit eigentlich, dass ihn überhaupt jemand neu gekauft hat. Das lag auch damals schon nicht an seinen Qualifikationen, es lag ganz klar am Preis, der gering war und mit aufopferungsvollen Finanzierungen und Leasing-Paketen beschönigt wurde.

Die Sitze sind exakt so schlecht wie sie aussehen – Langstrecke fängt bei allem an, was eine Durchquerung von Paderborn übersteigt

Fahrspaß ist hier einfach nicht – vielleicht sind deshalb so viele Menschen bereit, sich von ihrem Daewoo Matiz gegen Zahlung von wenigen Hunderten zu trennen, selbst bei frischem TÜV.

So gesehen könnten sich krasse Minimalisten freuen, denn neben dem geringen Anschaffungspreis glänzt der Daewoo Matiz obendrein noch mit lächerlich geringen Versicherungsprämien und braucht leidlich wenig Sprit. Letzteres können manche größeren Fahrzeuge tatsächlich besser – wer einen starken Todeswunsch hat und mit dem Matiz Höhe Geschwindigkeiten fährt, der Blechteile dafür an der Zapfsäule. Richtig tauglich ist der Matiz am Ende nur für die Stadt, wo er durch Kompaktheit glänzt.

Bei Geschwindigkeiten oberhalb der städtischen wird der Wagen nicht nur laut – er wird auch unsicher. Neben seiner hoppeligen Federung ist da sein kurzer Radstand, der Höhe Aufbau und die erwähnte schmale Spur – in anderen Worten: alles, was für Fahrsicherheit sorgt, fehlt hier. Hinzu kommen noch schlechte Bremsen – obszön schlechte Bremsen. Wer also den Wagen als billiges Übungsobjekt für die 18ährige Tochter im Kopf hatte: nein, das ist exakt nicht das richtige Auto für diesen Zweck.

Trotz des winzigen Innenraumes gehört die Klimatisierung zum schlechtesten, was es auf dem Markt gibt – zudem stinkt sie

Am Ende des Tages sprechen im Grunde nur die Kosten für den Matiz und seine Kleinstadt-Eignung. Beides können andere Autos auch – und die können normalerweise alles, aber auch wirklich alles besser.

Der Matiz der ersten Generation ist unter zwei Namen auf dem Markt: Von 1998 bis 2004 gab es ihn als Daewoo, anschließend noch als Chevrolet Matiz bis zur Ablösung durch seinen. Wer hartgesotten ist und sich vom Kauf nicht abhalten lässt, sollte beim Daewoo Matiz oder eben auch beim Chevrolet Matiz, der bis auf mikrobische Unterschiede baugleich ist, zum 0,8 Liter Motor greifen – der Dreizylinder ist etwas kerniger, aber der signifikant drehfreudigere Motor.

Aber wie gesagt: Beide muss man wollen…




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