Daewoo Evanda – Einer der schlechtesten Gebrauchtwagen?

Der Daewo Evanda dürfte einer der prominentesten Vertreter der Rubrik „Autos, die keiner kennt“ sein. Schlimmer noch als der kürzlich betrachtete Cadillac BLS gehört der Evanda zu der Art Autos, die Leute nicht einmal zufällig in ihrer Mobile.de Suche finden – schon der Marken-Name sorgt dafür, dass der Wagen gezielt ignoriert wird.

Der Daewoo scheint auf den ersten Blick etwas her zu machen

Die Eine hälfte weiss nicht, wie man die Marke aussprechen könnte, die andere kann sich nicht mehr erinnern, ob und wo es Ersatzteile für diese Marke geben mag oder aus welchem Land diese Marke eigentlich damals noch kam…

Südkorea war das Land. Heute steht das durchaus für Qualität: Hyundai und Kia sind mittlerweile substanzielle Player und gelten als qualitativ hochwertige Vertreter. Daewoo war da nie so recht und recyclete zu allem Überfluss lange Zeit verstorbene GM-Modelle. Beim Daewoo Evanda tat Daewoo noch etwas idiotischeres: Der Wagen sollte für Daewoo den Weg in die gehobene Klasse ebnen – und dazu baute man den Wagen beim Eintreffen in Europa um und versuchte, ihm etwas upperclass-Feeling mit auf den Weg zu geben. Das jedoch ging speziell in den ersten beiden Jahren grundlegend schief – abfallende Handbremsummantelungen, schlecht montierte Innenverkleidungen… die ganze Palette von Lächerlichkeiten in der Verarbeitung kam hier zum Vorschein – und das vor allem in schlecht berechenbarer Qualität: Einige waren einigermaßen belastbar, andere katastrophal.

Innen erfüllt der Daewoo die Papierform, haptisch ist er gruselig und leider ist vor allem die Verarbeitung der Materialien in Teilen katastrophal

Obwohl der Wagen von vornherein billig war, war sein prozentualer Wertverlust dennoch katastrophal, vor allem in den ersten beiden Jahren, in denen er oft bis zu zwei Drittel seines Wertes verlor und damit Wertverlustkönig des gesamten Marktes war. Das war teilweise schon der Tatsache geschuldet, dass GM mit Daewoo umging wie mit manch anderen Konzernmarken: wirr.

Die Zukunft der Marke war praktisch permanent unklar. Obwohl der Wagen breiter angekündigt worden war, wurde er in Deutschland ausschließlich mit dem 2 Liter Motor mit 131PS angeboten – die stärkeren Versionen mit Reihensechszylinder etwa wurden den Kunden in Europa vorenthalten.

Vielleicht auch gut so: Die Strassenlage des Evanda ist nicht gerade eine Wucht: Die Lenkung ist massiv gefühllos, die Sitze geben nicht viel Halt und die Bremsen waren schon beim Erscheinen des Wagens nicht gerade kräftig – heute sind sie nicht nur zu schwach, auch der Druckpunkt ist unklar und die Bremsen erfordern viel Kraft. Insgesamt bereitet der Daewoo Evanda schlicht keinen wirklich erkennbaren Fahrspaß – Fahrwerk und Karosserie werden zudem entschieden zu laut für einen Wagen dieser Klasse, was vielleicht der schlechteste Charakterzug des Wagenas ist.

Ein Kia Magentis ist attraktiver, ebenso natürlich der Hyundai Sonata und XG und diverse andere Autos dieser Klasse – und die sind dann auch nicht unbedingt teuer. Billig ist der Evanda heute zwar – aber nicht so billig, dass man wirklich sagen würde „Hurray – der ist ja richtig billig…“ – da gibt es doch tatsächlich eine Menge interessanterer Wagen auf dem Markt, die sich zudem besser fahren, sicherer sind und eine höhere Wiederverkaufswahrscheinlichkeit haben. Brilliance baut Autos, die noch weniger Menschen kaufen würden – aber die sind wirklich die einzigen.



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