Billigautos für Fahranfänger: Der Ford Fiesta für 3.000 Euro

Wer sich für einen Fahranfänger-Fiesta bis 3000€ interessiert, der kann mit ein bisserl Glück schon die Siebte Modellgeneration ergattern – das ist dann immerhin das Modell, das im wesentlichen heute noch vom Band läuft. Wer so einen für 3 große Scheine findet, der findet oft welche, die reparierte Unfallschäden zweifelhafter Art haben oder irre Kilometerleistungen – zu letztem kann man stehen, wie man mag – aber weit klüger ist es dennoch, auf das Vorgängermodell zu zielen.

Fiesta Billigauto Anfänger schwarz 2türr

40% der Fiestas in dieser Preisklasse haben nur 2 Türen – das mag knackig aussehen, ist aber unpraktischer und verkauft sich später auch nicht so gut

Die sechste Fiesta Generation  ist einer der besten Wagen, die Ford in neuerer Zeit gebaut hat. Wie schon der legendäre Taunus und der Granada bot auch der Fiesta von Anfang (1976) an immer viel Auto fürs Geld – und da macht die sechste Modellgeneration keine Ausnahme. Vor 40 Jahren war der Fiesta größer als der Polo – heute ist er es immer noch – und natürlich besser gepreist.

4 Türen sind praktischer, erleichtern das Laden sperriger Gegenstände - etwas beim studentischen Ikea-Besuch. Ford Händler sagen ganz klar: Der 4 Türer steht weniger lange

4 Türen sind praktischer, erleichtern das Laden sperriger Gegenstände – etwas beim studentischen Ikea-Besuch. Ford Händler sagen ganz klar: Der 4 Türer steht weniger lange

Top auch: Die Hälfte der Fiestas verfügt über Klimaanlagen – beim Polo fürs selbe Geld, der so gut wie nie Sinn gibt, hat nicht einmal ein Drittel der Wagen für das Geld Klimaanlage. Hinzu kommt: Der Fiesta schneidet zwar beim Tüv in Teilen schlechter ab als der Polo – das hat aber verschiedene Gründe – so werden beispielsweise mehr Polos vom Händler vorgeführt, Fiestas eher von Privatpersonen, was die Quote signifikant beeinflusst.

Innen schlicht und übersichtlich - beim Modell Style auch gerne mal ein wenig poppig. Der Wagen ist ungemein leicht ztu bedienen und einfach zu verstehen - hier ist Ford seit den 90ern ganz weit vorne

Innen schlicht und übersichtlich – beim Modell Style auch gerne mal ein wenig poppig. Der Wagen ist ungemein leicht zu bedienen und einfach zu verstehen – hier ist Ford seit den 90ern ganz weit vorne

Hinzu kommt: In anderen Ländern sieht das Ergebnis anders aus. Wichtigster Benchmark: Die britischen Garantieversicherer mit dem besten Datenbestand sagen, der Fiesta ist als Gebrauchter mit 8 und mehr Jahren im Index der Reparaturkosten durchschnittlich satte 11 Punkte günstiger als der Polo. Das zeigt auch ein Blick auf die Ersatzteil-Preise. Nimmt man die 20 wichtigsten Ersatzteile als Benchmark (Bremsen, Kupplung, etc.), so liegen die Ersatzteilpreise des Fiesta der sechsten Generation rund 20% unter denen des VW Händlers für das Fahrzeug der selben Klasse.

Der Fiesta hat ein Plus, das man ihm nicht spontan zutraut: Er fährt sich für ein Fahrzeug dieser Klasse ganz entschieden sportlicher als der Durchschnitt. Beste Motorisierung in Summe ist hier der 80PS Motor, der den Fiesta nicht zum Rennwagen macht, aber schon sehr passable Autobahngeschwindigkeiten ermöglicht und vor allem auch das Auffahren auf die Autobahn – ebi vielen Fahranfängern zurecht ein echtes Angstthema – deutlich entschärft und das nicht einmal mit hohem Verbrauch oder teuren Versicherungsprämien erkauft.

notfalls auch mal knackig

notfalls auch mal knackig

Der Fiesta der Jahre 2001 bis 2008 ist auch sonst ein angenehm erwachsenes Auto mit ausgewachsenen Sitzen und Bewegungsfreiheit im Inneren – der hat nichts mehr von den Kleinwagen der 80er Jahre, vor denen viele sich so fürchten. Bei hoher Geschwindigkeit auf der Autobahn nervt auf Dauer nur die Lautstärke – das Fahrwerk kann mehr und hält den Wagen sicher, auch in Ausnahmesituationen, in denen der Fiesta wirklich stets sauber beherrschbar bleibt – eben anfängersicher.

Anfänger(innen) mögen oft das Modell Style am liebsten, bei dem nicht nur ein höhenverstellbarer Fahrersitz und eine Klimaanlage stets mit an Board waren – je nach Farbkombination gab es auch einen bunten Armaturenträger dazu, der irgendwie lustig und wohnlich wirkt – auf diese Ikea-Art.

Meiden sollte man übrigens die Automatik – die ist zwar sehr robust, verhindert aber den Fahrspaß beim Fiesta massiv. Das ist keine wahre Freude – hier hatte Ford Anfang des Jahrtausends nur bei den größeren Modellen eine saubere Automatik im Programm.

Das Vorgängermodell ist nicht so viel billiger, dass es sich wirklich lohnen würde - das neuere Modell ist sicherer und anfängergerechter

Das Vorgängermodell ist nicht so viel billiger, dass es sich wirklich lohnen würde – das neuere Modell ist sicherer und anfängergerechter

Alles in Allem ist ein Fiesta für 3.000 ein solider und belastbarer Kauf – und auch einer, den man später wieder vernünftig an den nächsten Besitzer bringt. Auf das noch günstigere Vorgängermodell zu gehen, das oft auch mit geringen Laufleistungen für 1500€ zu haben ist, macht nur sehr selten Sinn für Anfänger. Der Wagen ist nicht übel, jedoch in seiner Konzeption trotz diverser Facelifts aus den 80er Jahren und für Anfänger das schechtere Modell. Grundsätzlich ist er ein prima Billigauto und hat uns als Winterauto einen Winter lang für 150€ gedient.

Wer einen günstigen Anfängerwagen sucht und unbedingt in der kleinen Klasse kaufen will: Am Fiesta führt kaum ein Weg vorbei.