Renault Twizy

Billige Elektro-Autos, Teil I: Der Renault Twizy – Elektro-Kult?

Den Renault Twizy kennen sogar die kleinen Kinder vom Nachbarn. Der Apotheker hat 2 Stück davon und fährt damit Medikamente aus. Und die Kinder finden den cool. Nicht, weil das ein Elektromobil ist oder weit der so trendig aussieht – nein: Der Sohn vom Apotheker mit seinen 9 Jahren durfte ihn schon fahren, weil der Twizy so unglaublich einfach zu fahren ist – und das hat er natürlich allen erzählt.

Coolness, die dir keiner mehr nehmen kann.

Was kann ein billiger Twizy im echten Leben?

Das erste Argument, das man immer zum Twizy hört, ist traditonell etwas in der Art von „Ha ha… das ist doch gar kein richtiges Auto“. Stimmt – technisch gesehen ist das mal eher ein Trike. Und wie so oft bei den verspotteten und unverstandenen handelt es sich hier dennoch um einen Pionier – einer der „Wagen“ die gezeigt haben, dass Elektro-Mobilität mit all ihren zurzeit fraglos bestehenden Problemen, dennoch möglich ist.

Renault Twizy Elektro

Der Renault Twizy wirkt immer noch irgendwie schrullig futuristisch – und wer mit ihm ausschließlich in der Stadt fährt und bei gutem Wetter… der sollte sich gleich einen Roller kaufen…

Und: Da der Wagen heute ab nicht mal 7.000€ zun haben ist, natürlich mal grundlegend ein guter Einstieg in billige Fortbewegung, wenn der dann mal ein paar Jahre alt ist.

Oder?

Ja… Nicht so ganz, kommen wir aber gleich noch zu.

Grundsätzlich stimmt das natürlich: Einmal bekommt man hier einen Wagen, der grundlegend günstig ist – aberdie 7000 gelten nur für die kleine Version mit 45KM/H Höchstgeschwindigkeit. Die schnelleren, autobahntauglichen mit bis zu 90 KM/H werden oft zu ganz anderen Tarifen gehandelt. Gebraucht bekommt man diverse tatsächlich schon für rund 3.000 – 5.000€ – mit einem signifikanten Bug allerdings: Diese Wagen haben dann im Normalfall keine Batterie.

Das Wirtschaftsmodell des Renault Twizy

Hä? Wie jetzt? Keine Batterie?

Ja – die Batterien mietet man bei Renault – un das ist ein durchaus erheblicher Fehler in der Kostenrechnung gebrauchter Twizy, wenn Du sie als Billigauto bewegen willst. Während die E-Fahrzeuge, wie normale Autos auch, billiger werden, bleibt die Miete bei solchen Fahrzeugen bei 50-70€ stehen, die man dem Renault-Händler (auch etwa für den Zoe) Monat für Monat überweisen muss. Da bist du also auch bei einem Wagen für 3.000€ schon mal 600€ im Jahr los. Hm. (Mittlerweile gibt es da auch Kaufmodelle – aber in der Gebrauchtzone ist die Verbreitung zur Zeit praktisch gleich Null, da die Batteriekosten in etwa so hoch sind wie die Fahrzeuganschaffung)

Elelktro fuhrpark twizy

Twizy Geschäft war viel Flotten-Geschäft. Hier gibt es gar keine Batterie-Käufer – und auch im privaten Segment sind sie eher die Ausnahme

Das war mal ein kluges Marketing-Argument, um die realen Kosten der Batterie zu verschleiern – bei gebrauchten Fahrzeugen ist das Verhältnis schrill. Es bedeutet ja auch auf der anderen Seite: Elektroantrieb mag ja enorm billig sein – Dennoch musst Du natürlich die 600€ jährlich auch erst mal einsparen,

Das mag je nach Rechenmethode leicht oder schwer sein – leichter wäre es jedoch allemal mit einem langstreckentauglichen Fahrzeug – und das soll jetzt mal keine Reichweiten-Bashing-Diskussion werden. Vielmehr ist der Wagen für längere Strecken einfach zu unbequem – ganz gleich, ob man vorne oder hinten Platz nimmt. Der Twizy fällt durch derartig mangelnde Sitzqualität auf, dass es schon fast schändlich ist.

Renault Twizy Sitz

Übles Gestühl und auch qualitativ kein Hit: Twizy-Sitze

In aller Fairness: Du kannst den Twizy unter günstigen Umständen für rund 2,40€ Stromkosten 100 Kilometer weit fahren. Fährst Du 7500 Kilometer (billigsten Stufe der Batteriemiete) im Jahr, kommen rund 8€ pro 100KM für die erwähnte Batteriemiete on Top und Du bist umgerechnet bei über 10€ – Kraftstoffkosten, die man also auch mit jedem beliebigen Diesel erreicht – und der kann dann wahrscheinlich sogar 5 Leute transportieren und ganz sicher auf richtigen Sitzen…

Fahren mit dem Renault Twizy – wie ist das?

Ein (schneller) Twizy geht in rund 8-9 Sekunden auf 60 KM/H – angemessen in der Stadt, gruselig, wenn man auf die Autobahn will – da gehört der Twizy einfach nicht hin. Einige Vorbesitzer haben uns da von gruseligen Szenen berichtet. Insgesamt wirken höhere Geschwindigkeiten im Twizy irgendwie falsch, die Lenkung synthetisch, der Wagen hoppelig, irgendwie alles ein wenig überfordert – und ein großer Teil des Problems ist das Gestühl, wie gesagt: Wirklich beleidigend…

Renault Twizy "Innen"

Arbeitsplatz, der sich ein wenig nach Gabelstapler anfühlt. Der Ruf des Renault Twizy ist irgendwie cooler als der Twizy selbst, aber die Plastiklandschaft stellt bei einem offenen Wagen natürlich eine gewisse Schlechtwettertauglichkeit sicher

Witzig ist der Twizy primär dadurch, dass ihn (bei gutem Wetter) alle irgendwie süß finden. Nie süß finden ihn Leute, die hinten sitzen müssen. Sind sie groß genug, um etwas zu sehen, haben sie keinen Platz für die Beine – und wer Platz für die Beine hat, starrt gegen die Rückseite des Fahrersitzes und ist dennoch eingequetscht. Hm – geht so.

Dass der Twizy in seiner Standard-Ausstattung nicht wetterfähig ist, macht es nicht lustiger – auch hier gilt: Speziell für hinten sitzende ist Regen sehr eklig. Türen mit Scheiben nachzurüsten ist möglich, verschlingt aber nochmals ein paar hundert Euro.

Fazit Billigautos.de Alles in allem müssen wir sagen: Unseren Segen hat der Twizy nicht. Die Batteriemiete versaut bei einem Wagen dieser Größe die Kostenbilanz erheblich, das Gebotene Fahrvergnügen ist sehr eingeschränkt – wir glauben, dass es da bessere Lösungen gibt – angefangen beim E-Roller, der in etwa dasselbe im Bereich Wetterschutz bietet und wirklich richtig billig ist.




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