Zekratzt & beulig – wie schlimm ist das?

Die Frage kommt hier immer mal wieder an – und die ist auch gar nicht so abwegig: „Soll ich einen Wagen mit Kratzern und Beulen kaufen oder nicht?“

Ganz einfach zu beantworten ist die Fragen (in Deutschland) nicht. In anderen Ländern stellt sie sich oft gar nicht: Versuch mal einen Wagen ohne Kratzer in Bukarest, Paris oder St. Petersburg zu finden… Viel Spaß.

In Deutschland ist das ein Thema – und beim Kauf billiger Autos durchaus relevant. Will ich einen Wagen mit Beulen haben, der dafür dann billiger ist? Oder: Hab ich nachher Probleme, den wieder loszuwerden, weil er Kratzer und Beulen hat?

Natürlich gibt es hierzu mehrere Antworten. Kostet der angestrebte Wagen 200€, stellt sich die Frage nicht – natürlich hat der Wagen Kratzer und Beulen, sonst würde er im Normalfall keine 200 Euro kosten, oder…? In der Klasse wird über solche Dinge nicht mehr diskutiert – da schaust Du, ob die Kratzer rosten oder ob die Beulen beim Fahren irgend ein Problem darstellen. Wenn nicht, sind Beulen hier einfach kein Gesprächsthema.

Der Fahrzeugnutzen nimmt ja hier zunächst einmal nicht besonders ab – die Verkaufbarkeit / der Preis des Wagens sinken jedoch erheblich

Reden wir von 2.000 oder 3.000€, sieht die Sache schon anders aus. Hier kann so eine Beule oder ein stattlicher Kratzer schon einen Unterschied machen – und vielleicht auch irgendwie handfest nerven. Viele Käufer halten sich da für sehr clever und sagen sich „Ha! Dann tausch ich schnell den Kotflügel aus und der Wagen ist 500€ mehr wert!“

Hm … ja – vor ein paar Jahren war das noch so – als sich die die Verbreitung von eBay und die Komplexität billiger Autos in einem günstigen Winkel trafen. Heute bekommst Du in der Preisklasse schon Autos, bei denen das gar nicht mehr so einfach ist, mal eben schnell was auszubauen… Das ist die eine Komponente – die zweite sind dann Dinge wie verklebte Scheiben, verzinkte Karosserien, bei denen so ein Kratzer oder eine Delle schnell mal zu ganz anderen verborgenen Macken führen kann.



Am Ende kommt es ja auf die Beantwortung folgender Frage an: Erhalte ich ein verbeultes oder verkratztes Auto soviel billiger, dass ich auch etwas davon habe? Und diese Frage können viele nicht sauber beantworten. Dazu muss ich wissen, was ich mir später als Verkäufer zutraue, verstehen, wie viel der Wagen ohne die Macken wert wäre, schätzen können, was die Reparatur wirklich kostet und ob (in der Klasse meist reell) ich das ganze selbst reparieren kann.

Da erhielten wir kürzlich eine Mail von dem Käufer eines Golf 3 Cabrios, der aufgrund „angerosteter Kotflügel“ den Wagen spottbillig bekommen hatte – nur, um dann einen Kostenvoranschlag des VW Händlers (!) über 3200 Euro in Händen zu halten, um auf beiden Seiten die Schweller wieder Tüv-fähig zu machen. Bei einem Wagen, der kaum noch 3200 wert war…

„Ärgerlich“ reicht da nicht mehr aus….

So etwas passiert in dem Bereich, wenn Du dich nicht auskennst – während viele noch in der Lage sind zu sagen „Neue Bremsen und Verteiler kosten X, da kann ich einen Wagen mit Macken in dem Bereich locker kaufen…“, geht das bei Karosserie-Themen eben schnell schief. Wie an so vielen Stellen gilt hier also umso mehr: Jemanden mitnehmen, der sich auskennt oder bei der Probefahrt einfach mal beim Karossen-Schneider vorbei fahren… Hier zahlt es sich doppelt aus.

Und die persönliche Antwort: Wir sehen Beulen und Kratzer so wie das Mindesthaltbarkeitsdatum und Brot vom Vortag – da kann man immer noch gute Schnäppchen machen.




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