Aus erster Hand: Mercedes W203 – Kaufen oder lassen?

Mercedes hatte mit dem W210 ein paar ernsthafte Probleme – vielleicht auchhier und da  mit der ersten C-Klasse W202. Und wie ging es dann weiter?

Wir haben 3 Mercedes-Mechaniker, zwei passionierte erfahrene Schrauber und 4 Leute gefragt, die gerade ihren W203 verkauft haben. Alles Leute, die es wissen sollten.

Der Rost ist sicherlich das offensichtlichste Problem des Mercedes W203

Karim, Schrauber und Billigauto-Jongleur, sagt uns: „Ich persönlich hatte nie ein schlechteres Auto als den W203 – kann ich wirklich nicht anders sagen. Was soll an dem eigentlich genau gut gewesen sein? Bei vielen schlechten Autos kann man wenigsten sagen ‚er sieht aber geil aus, er fährt sich toll‘ oder irgend etwas in der Art. Die C-Klasse hat eigentlich nichts davon – und macht eben ständig Ärger. Rost, Schalter, Drehregler, Elektronik – alles Müll.“

Das erscheint zunächst mal extrem, aber Karim untermauert „Im direkten Vergleich mit Autos seiner Zeit wie etwa dem damaligen Dreier BMW kann der Mercedes nichts besonderes. Gegenüber seinem Vorgänger ist er kleiner geworden, um in der Dynamik mit BMW mitzuhalten.“ Das galt damals sicherlich als wichtig, ganz umgesetzt hat Mercedes das Versprechen freilich nicht. Der C vom Typ 203 fährt sich allenfalls etwas nervös – wirklich mithalten mit dem Klassen-Vorbild BMW konnten nur die sündhaft teuren Sportmodelle – und deren Motoren konnten es nicht so recht.

Mercedes W203

Auch der Kombi war kein Highlight – zu stark abgeschrägtes Heck, tendenziell mehr Fahrwerksprobleme – und: Erwähnten wir den Rost?

Ein ähnliches Bild zeichnen auch die anderen Befragten. Klaus, der einen 190er und einen W202 hatte, erzählt uns: „Ich hab den W203 ohne irgendwelche große Recherche gekauft – seine beiden Vorgänger waren super – warum sollte er es nicht sein? Das Gegenteil war der Fall. Während der Gebrauchtwagengarantie war ich vermutlich der Hauptkunde des Händlers und im Folgejahr ging dann alles auf meine Kappe.“

Typische Top-Scores….

Etwas ähnliches erzählt uns Tekin aus Stuttgart, der seinen Mercedes gerade verkauft hat und froh darüber ist „Ich habe praktisch das ganze Auto getauscht, obwohl meiner erst 110.000 drauf hatte und ein Garagenwagen war. Dennoch war am Rost schon 2 Mal was gemacht worden – und das ging dann unaufhaltsam weiter, nachdem ich vor dem haus parke. Meine anderen Autos hatte das nie gestört.“

Qualitatives Grundsatzthema

Tatsächlich sehen auch alle C-Klassen dieses Modells, die wir über die Jahre gesehen haben, oft sehr gezeichnet aus von den Jahren – ähnlich wie W210 und die A-Klasse vom Typ W168. Auch TÜV und Dekra waren von dem zu Tode gesparten kleinen Mercedes nie so begeistert wie von seinen Vorgängern. Der frühe Rost war schnell auch statistisch ein Thema, ebenso schlechte Schläuche, Leitungen – alles, was einem das Leben mit dem Wagen teuer zu vergraulen imstande ist.

Ein Liegenbleiber war er nicht – beim ADAC etwa fiel er diesbezüglich nicht weiter auf, lag eher im schlechteren Mittelfeld, was auch als unrühmlich gelten mag. Aus heutiger Sichtlässt sich das laut den befragten Besitzern auch durchaus bestätigen. „Mit dem kannst Du 25.000 im Jahr ohne Pannen fahren – aber zwischendurch tauschst Du eben alle Teile, die dich nicht unbedingt liegenbleiben lassen. Das Fahrwerk gehört dazu. Türgummis, die bei einigen Modellen 3 bis 4 Mal runderneuert worden, da die Werkstätten diese Arbeit scheinbar auch nicht immer ganz so perfekt ausführen. Oft zieht das dann eben neue Rost- und Lackprobleme nach sich.

Tachos geben gerne den Geist auf, ebenso die damaligen Assistenzsysteme rund um Antrieb / Schlupf. ABS, ASR, BAS – alle Systeme glänzen durch überproportional häufige Mängelanzeigen, oftmals auch solche, die sich als unbegründet herausstellen. Das führt häufig zu teuren Sucharbeiten, die selbst einigermaßen versierte Bastler nicht mal eben Samstags Nachmittags in der Garage selbst durchführen können – und das wird dann teuer, wie man auch in zahlreichen Foren ausgiebig nachlesen kann. Kein Einzelfall – hier lässt der W203 heftig Federn, selbst bei den Fahrern, die ihn konzeptionell durchaus schätzen.

Billigautos-Fazit: Mercedes W203

In Summe muss man sich also fragen: Was spricht für

den Mercedes W203? In der Summe seiner Eigenschaften: Nicht viel. Der 3er BMW ist besser, der Audi A4 billiger, der Vectra größer – und alle möglichen Autos der Klasse sind qualitativ besser und kosten dennoch weniger. Was also spricht für den Mercedes? Ja – was?



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