A-Klassig? Nö

Mann, wurde die A-Klasse damals gefeiert, als sie erschien – bis die Nordics sie aufs Dach legten. Dann kam der große Benzr, spedierte dem Wagen ESP, zeigte sich geläutert, buchte den teuersten TV-Kampagnen-Platz der Deutschen Fernsehgeschichte – und Mann, wurde die A-Klasse da gefeiert!

mercedes A-Klasse 1999 w168 rot

Der einzig gute, den wir auf unserer Reise zu sehen bekommen

Ist sie heute ein gefeierter Gebrauchtwagen, nachdem Mercedes sie vor allem in den ersten Jahren als A140 und A160 massenweise absetzen konnte, bevor sich die Modellpalette entschieden weiter verästelte?

Das Konzept, mittlerweile 20 Jahre alt, ist auch heute noch in sich schlüssig und überzeugend – kaum ein Anbieter hatte damals die ganzen Sitztricks in dieser Klasse drauf, die die A-Klasse konnte und damit sogar ein paar gestandene Vans erblassen ließ, wenn man sich mal die Mühe machte, die gesamte Palette der zur Verfügung stehenden Sitz-Origamis in der Betriebsanleitung zu lesen – echte Benz-Ingenieurskunst; das konnten sie, die Schwaben – so wie die genialen Rückleuchten des W201er 190er Mercedes.




Jedoch, jedoch: Der Honda Jazz konnte da auch einiges, phasenweise auch die kleinen Mitsubishis und später natürlich der Opel Meriva. Das Gesamtkonzept des kleinen hoch bauenden Wagen erfreute sich auch sonst weitläufiger Beliebtheit und wurde vor allem im asiatischen Raum recht gekonnte bespielt: Subaru, Suzuki, Hyundai – bei Honda sogar mit enorm coolen Sitzlösungen.

Aber der W168 aka A-Klasse Nummer 1 war natürlich der Wagen, den die Germanen wollten -und sie kauften ihn, was das Zeug hielt – der Wagen wurde ein echter Erfolg.

Lohnt es sich, den Wagen heute zu kaufen, ist er für weniger als 3.000 Euro ein Tip, ein echter Benz?

Soviel vorweg: Nein.Mercedes A-Klasse W168 rost

Beim Inspizieren der frühen A-Klasse zu fairen Preisen begegneten wir so ziemlich den ungepflegtesten Fahrzeugen der gesamten Klasse – wirklich schockierend. Rost ist ein Problem, das man ja eigentlich Ende des letzten Jahrtausends durchaus schon im Griff hatte – aber dazu gehört auch ein gewisses Mindestmaß an Pflege.

Statt dessen treffen wir die Art Menschen, die mit dem Auto scheinbar alles machen bis hin zu „auf der Ladefläche übernachten“. In einem Auto < 3,60m??? Tatsächlich sind ja die Besitzer oftmals das größere Problem als die Fahrzeughersteller. Am Gabler Berg in Stuttgart nämlich finden wir ein Exemplar aus erster Hand. Die Besitzerin ist 82 und hat sich gerade eine nagelneue B-Klasse gekauft, weil die aktuelle A-Klasse ja keine hohe Sitzposition mehr bietet. Die Frau hatte alle ihre Autos länger als 10 Jahre – vor der A-Klasse hatte sie einen 190er – 14 Jahre lang. Und siehe da: Der A160, 14 Jahre alt und 151.000 drauf, fühlt sich ausnehmen gut an – und Rost hat er natürlich auch keinen.

A-Klasse W168 rot

Auf den ersten Blick passabel – aber hier ist vom Fahrwerk weniger übrig als bei einer Seifenkiste

Nett: Den neuen Wagen will die Dame auch wieder mindestens 10 Jahre behalten….

Auffällig auch: Die A-Klassen, die wir für billiges Geld probe fahren, haben oft E-Defekte: ABS, ASR, BAS – und leider auch das ESP, das ja bei diesem Wagen so wichtig erscheint. Das ist wirklich ein durchgängiges Muster – und oft nicht ganz billig zu beheben, zumal da in der A-Klasse oft lange Sucharbeiten nötig sind. Ebenso schwierig: Defekte Klimaanlagen. Auch das bei der A-Klasse nicht nur verbreitet, sondern auch kritisch, da die Frontscheibe der A-Klasse wirklich groß ist und selbst mit dem eigens dafür vorgesehenen Schalter nur schwer klar zu bekommen ist, wenn die Klimaanlage das nicht unterstützt.

Neben kritischem Rost und auch sonst breit angelegter Mangel-Wartung finden wir oftmals auch erhebliche Fahrwerksdefizite: Lage, Federn, Lenker… alles dabei. Ein Exemplar finden wir für immerhin 4350€, bei dem vorne links und hinten rechts die Federn gebrochen sind – viele andere machen im Bereich der hinteren Federn oft Geräusche wie in den 90er Jahren stark gebrauchte Taxen. Dem willst Du nicht auf den Grund gehen.
Insgesamt sagen uns auch die Besitzer, die 200.000 und mehr auf dem Tacho haben, dass sie die A-Klasse nicht aus qualitativen gründen so weit gebracht haben – und auch ganz klar: sie erzählen, dass die A-Klasse stets ein teures Vergnügen war. Nicht nur die Teile sind teuer – vieles an der A-Klasse ist, wie bei fast allen frühen Vans, nicht gut zugänglich konstruiert und erfordert teure Eingriffe für kleine Dinge.

Mercedes A-Klasse 1999

Hier geht der Rost durch bis in den Kofferraum – selbst die Klappmechanik der hinteren Sitzbank ist befallen

Toll nach wie vor: A-Klassen mit dem große Lamellendach. Das ist das beste aus beiden Welten: Cabrio bei nahezu jedem Wetter – Aber Achtung: Dann wird die kurze hohe A-Klasse noch Seitenwind-empfindlicher, als sie es unter Laborbedingungen mit geschlossenem Dach schon ist.

Obwohl wir die A-Klasse mögen und vor allem in unbekannten Städten aufgrund ihrer ausgezeichneten Rundumsicht schätzen: Als Billigauto taugt sie nichts. Von 12 Kandidaten war tatsächlich nur der Wagen der alten Dame vom Gabler Berg die Mühe wert.

Das bestätigen auch diverse Foren und Mercedes-Mitarbeiter durchaus: Wer an der A-Klasse oft schraubt, hat ein angespanntes Verhältnis zur A-Klasse. Und die heutigen Besitzer machen das wirklich nicht besser.




Ein Kommentar

  • 8ball

    Die A-Klasse war der mit Abstand schlechteste Benz, den ich bisher besessen habe. Dabei handelte es sich nicht um ein Verbrauchsauto, sondern einen Gebrauchten aus erster Hand mit 40000km und 3 Jahren.
    Nach einiger Zeit zeigte sich: Die Materialqualität war unterirdisch. Der Rost hat nach wenigen Jahren die hinteren Radläufe angefressen. Jeder Eingriff aufgrund von Wartung war ein Alptraum, weil kein Bauteil wirklich gut erreichbar ist. Die Hinterachse ist, wie schon im Text erwähnt, eine Schwachstelle. Beim Fahrverhalten ist der hohe Schwerpunkt trotz ESP ein Problem. Der Wagen untersteuert extrem und fährt schon bei leichtem Regen stur geradeaus durch Kurven. Nach 10 Jahren war trotz entspannter Fahrweise das Getriebe hinüber (170 CDI, Getriebe ist für das Modell zu schwach ausgelegt).
    Der einzige Pluspunkt ist – und da schließe ich mich dem Autor an – die tolle Raumausnutzung und Variabilität. So viel Platz auf so kleinem Raum hatte ich seitdem nie wieder in einem Auto. Außerdem muss ich zugeben, dass mir das Design bis heute gefällt.

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