200PS und mehr für 3000€, Teil I/X: Vectra C im Sport-Dress

Der Vectra C als Rennwagen? Den hat keiner so richtig auf dem Schirm. Dabei hat das doch im Grunde Tradition. Opel brachte schon den Ascona gerne dadurch zum Glänzen, dass sie den größten Motor aus dem nächstgrößeren Wagen, dem Opel Rekord, auch im Ascona verbauten.

Die späteren Modelle machen schon einigermaßen was her

Zu Zeiten des Vectra C war der nächstgrößere Opel dann der… der äh… Ah – richtig: Es gab keinen mehr. Na klar, da gab es den Signum – aber der war ja nur nach der Marketing-Story der größere Wagen – aonsonten war er Vectra pur.

Der Vectra C ist für 3000€ normalerweise eines der besseren Billigautos – war der Vectra B auch schon in mehrerlei Hinsicht – auch wenn wir da schon einmal Pech hatten. Aber wie sieht das mit den extremen Opel Vectras aus? 200PS wurden beim Vectra C tatsächlich mehrfach realisiert – einmal mit einem satten 3.2er V6, der es auf 211PS brachte und noch mit einem 2.8er Turbo, der es auf 250, 255 oder 280PS brachte. (Ja, daneben gab es noch einen Irmscher – aber den gibt es nicht für unser Budget)

Nicht direkt die Schokoladenseite des Vectra C: Der Innenraum. Die Sitze geben mehr Seitenhalt, als man spontan vermuten würde

Der 3.2er ist das ältere Modell und wurde bis 2005 gebaut. Manko bei diesem Motor: die Höchstleistung liegt bei 6200 an und auch sonst ist das brauchbare Drehzahlband für Schnellfahrer schmal. Der Motor wurde in dem Modell vor dem 2005er Facelift verbaut, das in mehrerlei Hinsicht nicht die Qualitäten des späteren Modells erreicht, dafür aber im Karosseriebereich billiger zu reparieren ist. Leider muss man sagen: Das ist den Vorbesitzern oft völlig wurscht. Das größte Problem der schnellen Vectras mit dem 3.2er ist: Er zieht Idioten an – wie könnte es anders sein?

Fette Schleudern mit hohem Wertverlust landen stets zu früh bei jungen Männern – und hier ist das ganz schlimm ausgeprägt. Der Vectra vor dem Facelift verlor schon mit zivilen Motorisierungen in erheblicher Geschwindigkeit an Wert – ein Wunder, dass überhaupt noch welche übrig sind. Und wenn, muss man sich oft fragen, ob sie nicht faktisch schon tot sind. Gewindefahrwerke spielen da eine Rolle, nicht eingetragene Rad-/Reifen-Kombinationen ebenso und die typischen Karies-Erscheinungen von schlecht gepflegten Karossen. Ein Alptraum.

Hier spielt auch das Budget kaum eine Rolle – richtig gute Exemplare gibt es praktisch nicht. Hier gibt es tatsächlich nur einen soliden Ausweg: Den Opel Signum. Dessen verbleibende Exemplare aus dieser Phase sind entschieden besser gepflegt. Klischeehaft.

Und geht der Vectra 3.2V6 wenigsten gut?

Hm.. Sagen wir es so: Der spätere mit seinen 2,8 Litern geht mal ganz entschieden besser. Und entgegen der typischen Stammtisch-Meinung ist der kleiner Motor mit der Turbo-Aufladung auch noch die haltbarere Fassung der 200+ Opelz. Der Turbo-Motor ist das entschieden agilere und elastischere Aggregat – während der 3.2er Drehzahlen braucht und unten herum eher enttäuscht, was ihn entlang der üblichen Physik zum Säufer macht. Der 2.8er hingegen braucht deutlich weniger Drehzahlen, was ihn im Bereich der Haltbarkeit natürlich begünstigt.

Der Turbo braucht natürlich eine gewisse Aufmerksamkeit – das gilt aber am Ende des Tages für beide Maschinen.

Gesamthaft muss man am Ende aber eines ganz klar sagen: Der Vectra geht in beiden relevanten Motorisierungen nicht so richtig zufriedenstellend wie mache anderen, die wir in unserer 10teiligen Serie genauer untersucht haben. Im Vectra kommt schon Spaß auf, aber nicht der, den du gerne bei 200PS hättest. Das fühlt sich alles nie wie eine überlegene Motorisierung an, eher wie ein aufgebohrter 2 Liter oder so. Die Lenkung ist Distanziert und lädt nicht zum sportlichen Fahren ein – die Fahrwerksgeometrie eigentlich ebenso wenig. Toll ist das im Bereich qualifiziertes Rasen nicht. Hinzu kommt hier natürlich auch der etwas mild gestaltete Innenraum des Vectra, den man stets ein wenig mögen muss – kann einem zu dem Preis ja im Grunde egal sein, klar – aber auch in der Cheap & 200 Class gilt: Auch andere Mütter haben schöne Töchter.