200PS und mehr für 3000€, Teil II/X: Chrysler 300C

Der 300M war ja schon eine ziemlich geile Schleuder – und ein echter Hingucker in mehrerlei Hinsicht. Damals galt das Cab Forward Design als eine Design-Revolution, Grundstein einer neuen designerischen Bewegung… an die sich heute keine Sau mehr erinnert.

Im Rückblick ist vieles klarer.

So wie die Tatsache, dass Chrysler den 300C nie an Lancia hätte weitergeben soll… Nein – das ist jetzt quatsch: Das war schon zu dem Zeitpunkt klar, als es geschah.

Offen bleibt die Frage dieser Serie hier: Soll man einen Chrysler 300C mit satter 200+ Motorisierung kaufen, wenn er einem heute für kleines Geld vor die Flinte läuft?

200PS sind beim Chrysler 300C im Grunde das untere Minimum – ebenso wie die Automatik, die immer an Board ist. Jetzt herumzuzicken und zu sagen „Es gibt den Wagen doch auch mit 193PS“ ist kleinlich und deutsch 😉 Tatsächlich streichen wir den dennoch von der Liste: Der Wagen ist untermotorisiert und säuft schon dadurch mindestens ebensoviel wie die anderen Chrysler 300C – aber er macht eben dafür nicht einmal Spaß. Der Wagen braucht reale 12 Sekunden auf 100 – was soll der Quatsch? 1900 Kilo und der Luftwiderstandsbeiwert eines Ikea Pax wollen gefüttert werden.

Besonders verbreitet ist der 218PS Diesel aus dem Konzernregal vom großen Benzer. Den trauen sich im Moment nur ganz wenige aufgrund der Diesel-Diskussion.Dabei ist der eigentlich ganz fetzig, wenn auch nicht eben leise. Leider ist der Sound das eher geringere Problem des Chrysler 300C. Weit problematischer ist speziell beim Diesel die Frage der Reparaturkosten. Hier kommt wirklich alles zusammen: Eine ebenso hohe Anfälligkeit der Maschine und vor allem der Peripherien sowie Ersatzteilpreise, die sich gewaschen haben, gepaart mit ebenso schwankenden wie stattlichen Stundensätzen der Chrysler-Werkstätten, die zu allem Überfluss ja auch nicht gerade dicht gesät sind.

Der Kofferraum des Kombis ist einigermaßen lächerlich – der 300C Touring ist nur aussen gross

Die Alternative sind die richtig fetten Schleudern: 3,5 V6 beispielsweise mit 249PS. Der ist in vielerlei Hinsicht schlapper als der Diesel. Während der es nämlich auch stattliche 510 Newtonmeter Drehmoment bringt, muss der 3.5er mit 340 auskommen. Während so ein Motor im Vorgänger noch gut zur Sache ging, kommt er hier eher schwach rüber, lustlos und hinkt weit hinter seiner Papierform zurück, braucht aber dennoch zwischen 13 und 15 Litern. Das ist im realen Betrieb auch etwa der Verbrauch des 5.7er V8 – und der geht wirklich gut ab und hat das Drehmoment des Diesels und obendrein unfassbare 340PS – und dennoch findet man Exemplare für weniger als 4.000 mit einigermaßen frischem Tüv.

Das gilt vor allem dann, wenn man einmal die Grenze in Richtung Niederlande oder Belgien überquert.

In was für einem Zustand sind solche Fahrzeuge? Normalerweise in keinem üblen Zustand. Die Fahrleistungen liegen dann zwischen 250 und 400.000 Kilometern und typische Mängel gibt es reichlich. Speziell Defekte in der Elektrik machen Stress, die gummibasierten Teile sind schwer zersetzungsanfällig, was zu allerlei Ärger in Verkabelungen führt – aber beispielsweise auch gleichermaßen Stress beim Komponenten wie der Klimaanlage verursacht. Das ist tückisch, da diverse sichtbare Komponenten bei den 300C in diesem Alter noch einen guten bis sehr guten Eindruck machen. Das Leder ist solider, die Kunststoffe im Innenraum wirken robust und weniger verkratzt als bei manch einem Mitbewerber, die Fahrwerke des schweren Wagens sind vergleichsweise belastbar.

whow

Die nicht sichtbaren Reparaturen lassen den Wagen jedoch gerne einmal stehenbleiben und ebenso ziehen mit ihnen die teuren Fehler ein. Die britischen Garantieversicherer mit der sicherlich größten Stichprobe in diesem Bereich, raten daher in so ziemlich jeder Hinsicht vom Chrysler 300C ab. Der Multiplikator aus Ausfallwahrscheinlichkeit und Kosten pro Ausfall ist einfach zu groß, so geil man den Wagen finden mag.

Wer den Chrysler 300C fahren will, der braucht eher 7.000 bis 10.000 Euro – die Exemplare in diesem Segment sind im Regelfall ihr Geld wert. Die billigeren Exemplare sind keine gute Idee.

Wer mit 200 und mehr PS in einer satten Limousine durch die Gegend rauschen will, findet bessere Alternativen.

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